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Domian kämpft gegen innere Dämonen

Ruhrfestspiele

Jürgen Domian las und diskutierte bis Mitternacht bei den Ruhrfestspielen über Dämonen. So heißt sein neuer Roman. Aber der Moderator wollte auch wissen, gegen welche inneren Dämonen das Publikum kämpft. Die Reaktionen waren verblüffend.

Recklinghausen

, 22.05.2018
Domian kämpft gegen innere Dämonen

Jürgen Domian sprach bei den Ruhrfestspielen über „Dämonen“. Foto: dpa

Für einen ehemaligen Nighttalker legen die Ruhrfestspiele eine Nachtschicht ein. Bis nach Mitternacht machte sich Jürgen Domian am Samstag bei den Ruhrfestspielen im Festspielhaus in Recklinghausen auf die Suche nach „Dämonen“.

Sterben im Schnee

So heißt das neue Buch des 60-jährigen Journalisten, in dem er seinen Protagonisten Hansen zum Sterben nach Nordschweden schickt. An seinem 60. Geburtstag will sich Hansen betrinken, nackt in den Schnee legen und für immer einschlafen.

Eine Dreiviertelstunde las Domian aus dem Buch, dann wollte er mit dem Publikum diskutieren und wissen „Gegen welche inneren Dämonen kämpft Ihr?“.

Outen wollte sich keiner im Publikum

Auf Karten sollten die Zuschauer das vor der Lesung aufschreiben. „Angst, keinen Partner zu finden“, hatte eine 25-Jährige notiert. „Neid und Missgunst in der Familie“, „Hoher Erfolgsdruck“, „Sprunghaftigkeit“ oder „einem Schönheitsideal folgen zu müssen“ andere. Outen, wer was geschrieben hat, wollte sich keiner.

Aber in die Diskussion über Depressionen von Suizidkranken und Sterbehilfe stiegen die Zuschauer gerne ein. „Sterbehilfe gehört in ärztliche Hand. Wir brauchen ein Gesetz, aber die Kirche blockiert das“, sagte der Kölner. Und erzählte von seinem inneren Dämon, der Magersucht, die er als Student hatte.

„Mir geht die Gagdichte auf die Nerven“

Noch mal eine halbe Stunde Lesung – den Schluss des Romans, ob Hansen sich umbringt oder seine Dämonen besiegt, überließ Domian den Besuchern zum Nachlesen zu Hause.

„Schreib doch mal was Lustiges“, würden Besucher seiner Lesungen ihm oft sagen, erzählte Domian. „Das ist nicht mein Ding. Mir geht die Gagdichte im Fernsehen auf die Nerven“, sagte der Mann, der sich 22 Jahre lang mit Tausenden verzweifelter Anrufer in seiner Sendung unterhalten hat.