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Neville Tranter reiste bei der Fidena ins gelobte Land

Figurentheater-Festival 2018

Der King of Puppetry darf nicht fehlen, wenn die Fidena, das Festival Figurentheater der Nationen, 60 wird. Zu seinem Auftritt am Donnerstagabend brachte Neville Tranter auch Gott mit.

Bochum

, 11.05.2018
Neville Tranter reiste bei der Fidena ins gelobte Land

Neville Tranter und seine fast lebensgroßen Figuren Foto: Sitvast

Der Teufel, Gott, leicht vertrottelt und mit Fuselbart, Flüchtlinge und Jesus mit seinem Schaf Blinky – sie alle führt Neville Tranter an einem Strand in Nordafrika zusammen. Der australische Puppenspieler hat in seinem aktuellen Stück „Babylon“, zu sehen am Donnerstag in den Bochumer Kammerspielen, das Schicksal von Bootsflüchtlingen thematisiert.

Stück passte gut zum politischen Motto

Das Stück passt gut zum Jubiläumsfestival, das sich unter der Überschrift „Resist“ (Widerstehe) politischer zeigt als früher. Und es setzt einen großartigen Gegenpol in dem Programm, das gerne die Grenzen des Figurentheaters überschreitet.

Tranter bestätigt seinen Ruf als King of Puppetry, wenn er eine aktuelle Geschichte um Migration, Flüchtlinge und Schlepper mit wunderbar schwarzem Humor erzählt. Vor allem begeistert seine Figurenführung. Alle seine Figuren werden zu Schauspielern, die das Spiel an sich reißen und den Zuschauer vergessen lassen, dass Neville Tranter die lebensgroßen Klappmaulfiguren offen führt und ihnen Stimme gibt. Es passt gut, dass er auch eine Rolle übernimmt – die des Priesters. Und der ist stumm.

Auch Jesus will mit dem Flüchtlingsboot fahren

Babylon – das ist das gelobte Land, weshalb die Flüchtlinge, der Junge, die alte Frau oder der Mann mit seinem Hund unbedingt ins Boot wollen. Sie erzählen ihre Geschichten, von niedergebrannten Dörfern oder ermordeten Vätern. Auch Jesus will dorthin, will eine zweite Chance, um seinen Vater stolz zu machen. Doch Gott hat andere Pläne. Oder auch nicht. So genau weiß er das selbst nicht. Am Ende ist das Boot gesunken, Jesus liegt im Gästebett und Gott geht feiern.

Bis zum 18. Mai 2018 zeigt die Fidena 33 Produktionen aus 13 Ländern. Vor seiner Uraufführung bei der Ruhrtriennale gastiert Mariano Pensotti mit „Loderndes Leuchten in den Wäldern“ (13.5., Essen). „Worst Case Scenario“ aus Israel vereinen Zirkus und Musik (14./15.5., Bochum). „Sorry Boys“ von Marta Cuscunà ist ein Stück über weiblichen Widerstand (17./18.5., Bochum). Tickets unter Tel. (0234) 47729. www.fidena.de