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Von Dortmund ins Musikerparadies Doha

DORTMUND Qatar wird ein Paradies für Orchestermusiker: Das kleine, reiche Emirat baut in der Hauptstadt Doha ein Orchester auf, das Spitzenqualität haben soll.

von Von Julia Gaß

, 02.12.2007

Die Musiker verdienen ihr Gehalt brutto wie netto, weil in Qatar keiner Steuern bezahlen muss. Alle Orchestermitglieder bekommen kostenlos ein Haus, für das aus einer Foundation der Frau des Scheichs alle Nebenkosten und auch die private Krankenversicherung bezahlt werden. Und die Kinder besuchen umsonst die internationale Schule.

Mazel und Muti

Dirigieren sollen das Orchester Pultstars wie Mazel oder Muti. Sein Intendant ist Kurt Meister, der 15 Jahre Chef der Klangkörper des Bayerischen Rundfunks war und bekannt ist für spektakuläre Großprojekte: Er hat u. a. 1989 nach dem Mauerfall in Berlin Bernsteins "Ode an die Freiheit" organisiert. Solisten von Weltruhm haben angeboten, mit dem Orchester ab November 2008 zu spielen.

Verständlich, dass all das auch gut versorgte Musiker für ein Vorspiel begeistert. 2700 aus weltweit 71 Nationen haben sich beworben, Vorspiele gibt es nur in Wien, Zürich, London, Madrid, Kairo, Berlin, München - und Dortmund. Und das Orchesterzentrum war am Wochenende mit 371 Kandidaten ein Hauptstützpunkt. Nur in Wien spielen mehr Kandidaten den Mitgliedern der Münchner Philharmoniker, des BR-Orchesters und Bayerischen Staatsorchesters vor.

Ein Stimmführer der Dresdner Staatskapelle war unter den Kandidaten und Mitglieder von Top-Orchestern wie dem vom Bayerischen Rundfunk, NRD und WDR. Geigerin Pricila Simeoni hat bei den Berliner Philharmonikern schon als Aushilfe gespielt. "Mein Freund hat Tuba vorgespielt, wir wollen nächstes Jahr heiraten. Das ist eine Chance, zusammen in einem Orchester zu spielen. Und ein Abenteuer", erzählt sie. "Immer würde ich nicht in Qatar bleiben, vielleicht zwei Jahre. Man verdient da gut. Schließlich muss ich noch ein Cello abbezahlen", sagt Nora Krahl.

"Die Araber kennen keine klassische Musik. Wir werden erst die Kinder daran gewöhnen", plant Meister. Und dann will das Orchester auch auf Reisen gehen. "Wir wollen unbedingt im Dortmunder Konzerthaus spielen. Ich war da schon mit Maazel und Muti", erzählt der Intendant.

Unglaubliche Qualität

Musiker, die in Dortmund vorgespielt haben, sind dann wohl auch dabei. "Wir haben hier unglaubliche Qualität gehört, einen Spitzen-Posaunisten und sehr gute Geiger", sagt Meister. Bis Ende Februar müssen die Musiker in ihren Orchestern kündigen. Auch in einigen NRW-Orchestern werden dann wohl Stellen frei.