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"Viel geheult" beim Schreiben

LÜNEN Vom Amateurboxer zum Schauspieler und dann zum Autor - Günter Lamprecht ist vielseitig engagiert. Am Mittwoch (14.11.) gastiert er um 20 Uhr mit einer Lesung im Lüner Kino Cineworld und eröffnet damit inoffiziell das 18. Lüner Kinofest. Im Vorfeld sprach Beate Rottgardt mit dem 70-jährigen gebürtigen Berliner.

von Von Beate Rottgardt

, 08.11.2007
"Viel geheult" beim Schreiben

Günter Lamprecht hat den zweiten Teil seiner Autobiographie geschrieben.

In Ihrem Buch "Ein höllisches Ding, das Leben" geben Sie viel von sich selbst preis. Wie sind die Reaktionen darauf?

Lamprecht: Sehr unterschiedlich. Im privaten Bereich ist eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. In den Lesungen selber sind die Leute begeistert davon, dass sie so viel erfahren. Wenn Kollegen dabei sind, die diejenigen, über die ich geschrieben habe, kennen, bekomme ich Szenenapplaus.

Wie lange sind Sie schon mit dem Buch auf Lesereise?

Lamprecht: Seit der Leipziger Buchmesse im Mai. In Lünen ist es die 15. Lesung. Zum Glück hat es geklappt, der Termin wurde eingeschoben.

Wie verlief die Arbeit an Ihrem Buch, das ja schon die zweite Autobiographie ist?

Lamprecht: Erst wollte ich überhaupt nichts schreiben, hatte ja erst einige Drehbücher verfasst. Aber der Verleger hat mich überredet. Für das erste Buch wollte er schon mein ganzes Leben haben, aber wir haben uns dann auf die ersten 25 Jahre geeinigt. Das zweite Buch geht etwa jetzt bis zum Amoklauf von Bad Reichenhall. Darüber zu schreiben ist mir sehr schwer gefallen, ich hab auch viel geheult dabei.

Wie kam es zu dem Titel?

Lamprecht: Eigentlich sollte das Buch "Glück gehabt" heißen, aber der Titel war nicht frei. Das hat mir der Verlag aber erst vier Wochen vor Abgabetermin mitgeteilt. Da schrieb ich gerade eine Sequenz über Fassbinder mit dem Satz von Biberkopf. Und ich dachte "Ein höllisches Ding, das Leben" passt.

Dass Sie zum Kinofest kommen, ist sicher auch Verdienst von Festivalleiter Mike Wiedemann, der Ihren Film "Milo Barus - der stärkste Mann der Welt" produzierte.

Lamprecht: Es war fantastisch, er ist so menschlich und das ist selten bei Produzenten. Ich musste ein halbes Jahr vorher catchen trainieren, erinnere mich gern an die Dreharbeiten im Zirkus, mit dem jungen Regisseur und den Zirkusleuten. Seitdem bin ich mit Mike Wiedemann befreundet.

Was darf das Publikum bei Ihrer Lesung erwarten?

Lamprecht: Ich denke, es wird sehr interessant. In den eindreiviertel Stunden werde ich am Stück lesen, von den Anfängen als Orthopädiemechaniker, über die Schauspielschule und das erste Engagement in Bochum. Das Ruhrgebiet, in dem ich viel gearbeitet habe, ist meine zweite Heimat geworden und vom Gefühl her bis heute geblieben. Der Abend wird nicht unemotional.

Wie haben Sie den Amoklauf verarbeitet?

Lamprecht: Ich schreibe im Moment ein Theaterstück über Bad Reichenhall. Ich hatte ja nie einen Prozess. Der Bayerische Rundfunk wollte es nicht verfilmen. Aber jetzt habe ich Mitstreiter gefunden. Ich leide noch heute an den Folgen, hatte ja sechs Durchschüsse durch die Arme. Das hab ich im Bergmannsheil in Bochum behandeln lassen. Ich merke aber noch ein Taubheitsgefühl in den Fingerspitzen.

Wie sehen Ihre Pläne aus?

Lamprecht: Ich hab viele Angebote von Film und Fernsehen vorliegen, aber die Bücher entsprechen nicht meinen Vorstellungen. Und für ältere Männer gibt es meist nur zwei, drei Drehtage. Aber ich habe eine Anfrage, ob ich in Frankreich den Karl Marx spielen will. Und mit der DVD von "Berlin Alexanderplatz" habe ich Triumphe in Berlin, in New York und Paris gefeiert.

Lamprechts Buch „Das Leben, ein höllisches Ding“ ist bei Kiepenheuer und Witsch erschienen und kostet 18,90 Euro. Karten für die Lesung in Lünen (neun Euro) kann man im Kino Cineworld, Tel. (0 23 06) 92 72 80, bestellen.