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Filmkritik

Van Goghs Bilder werden zum Star im Kino

Dortmund Ein Film aus Ölgemälden: „Loving Vincent“ ist ein stilistisches Experiment, eine Fleißarbeit. Und die Bilder von Vincent van Gogh sehen plötzlich ganz anders aus.

Van Goghs Bilder werden zum Star im Kino

Mit Douglas Booth stellt der Film van Goghs Porträt des Armand Roulin nach. Das Original hängt im Essener Folkwang Museum. Foto: Weltkino

Ein Film aus 65000 Einzelbildern. Jedes überpinselt von Malern, die auf Aufnahmen der Darsteller Farbe auftrugen. In der Pinselführung Vincent van Goghs, denn „Loving Vincent“ ist eine Hommage an ihn. Sieben Jahre haben die Regisseure Dorota Kobiela und Hugh Welchman an dem ehrgeizigen Projekt gearbeitet, den Maler durch seine Bilder sprechen zu lassen.

Das verkannte Genie ist im Film tot

Filme über ihn gibt es schon. Kirk Douglas hat ihn gespielt, auch Tim Roth, als Robert Altman mit „Vincent und Theo“ van Goghs Beziehung zu seinem Bruder in den Fokus nahm. Im neuen Film ist das verkannte Genie bereits tot. Postmeister Joseph Roulin (Chris O’Dowd) beauftragt seinen Sohn Armand (Douglas Booth), Vincents letzten Brief zu überbringen, an dessen Bruder oder sonstige Hinterbliebene.

Beide Roulins wurden von Vincent porträtiert, wie auch sein Arzt Dr. Gachet (gespielt von Jerome Flynn aus „Game Of Thrones“), dessen Tochter (Saoirse Ronan) und Haushälterin.

Posen und Kleidung sehen aus wie auf den berühmten Gemälden

Diese Porträts stellt der Film nach. Die Figuren tragen Kleidung wie auf den Bildern, in Momentaufnahmen ahmen sie Ausdruck und Pose von van Goghs Zeitgenossen nach. Kunstfreunde erkennen das jeweilige Gemälde, das für einen Augenblick statisch ist, bevor die Bewegung von Kopf oder Lippen die Deckungsgleichheit zwischen Original und Reproduktion wieder aufhebt.

Dasselbe geschieht mit diversen Landschaftsbildern van Goghs. Hier hat der Film seine reizvollsten Passagen: Leuchtende Farben scheinen zu vibrieren, Pinselstriche treten plastisch hervor, das Wasser schillert, die Wolken sind belebt. Die ganze Komposition atmet und wir tauchen darin ein. Selten war Impressionismus so sinnlich erfahrbar.

Rund 80 Bilder schaffen eine besondere Atmosphäre

An die 80 van Goghs haben die Regisseure in die Handlung eingeschleust. Der Film ist um diese Motive gebaut, das merkt man: Dramaturgisch weht ein laues Lüftchen, die Story tritt auf der Stelle. In dem Animations-Film „Loving Vincent“ ist ein van Gogh-Gemälde der Star

Zwar soll es ein wenig thrillern, doch erzählerische Längen sind unübersehbar. Und den Schwarzweiß-Szenen ohne van Gogh-Vorlage fehlt das gewisse Etwas. Trotzdem: Ein Arthouse-Unikat, dessen Ästhetik den Kinobesuch allemal wert ist.

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