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Träume der „verkauften Braut“ zerplatzen

Ein tschechisches Team am Aalto-Theater in Essen lässt Smetana-Oper "Die verkaufte Braut" auf Deutsch singen. Lokalkolorit, ja, aber folkloristische Tänze – Fehlanzeige.

Träume der „verkauften Braut“ zerplatzen

Marie (Jessica Muirhead) und Hans (Richard Samek) in der Oper „Die verkaufte Braut“ in Essen.

Anstatt die von den Essener Philharmonikern unter GMD Tomás Netopil so mitreißend gespielten Polkas und Furiants der „Verkauften Braut“ zu tanzen, werfen aufgetakelte Choristen auf der Aalto-Bühne nur mit Konfetti, stoßen rennende Frauen Can-Can-Schreie aus und stehen die von ihren Partnerinnen mit Bier abgefüllten Männer vor dem Klo Schlange.

Schäbige Dörfler

Das tschechische Regie-Duo Martin Kukucka und Lukás Trpisovsky zeigt die Dorfgemeinschaft von ihrer eher schäbigen Seite. Ort der Handlung ist eine Turnhalle.

Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung sind die eigentlich nur kurz im dritten Akt geforderten, hier aber fast durchweg präsenten Zirkusleute. Bereits während der Ouvertüre lassen sie den Traum der Marie von einer Hochzeit zerplatzen, sodass sie ein Porträt ihres geliebten Hans an einen Boxsack heftet und diesem mit den Fäusten droht.

Hinter Glas ausgestellt und wie ein Tier eingepfercht, erscheint die von den Eltern verkuppelte und mittels Heiratsvermittler verschacherte Marie dann deutlich als Opfer. Selbst das vom Chor vollmundig behauptete Happy End wird mit einem Fragezeichen versehen.

Sopranistin Muirhead beeindruckt 

Jessica Muirheads Marie betört mit warm timbriertem, einschmeichelndem Sopran und beeindruckt in ihrer Wut mit hochdramatischen Tönen. Dmitry Ivanchey geht voll in der tragikomischen Rolle des zunächst für sie bestimmten stotternden Losers Wenzel auf. Im Duett „Eine ist mir gut bekannt“ geben die beiden stimmlich ein wunderbares Pärchen ab.

Maries Hans ist mit einem Gastsolisten besetzt: Richard Samek, heldentenoral auftrumpfend, kommt von der Staatsoperette Dresden. Mit Tijl Faveyts als Heiratsvermittler Kezal ist ein Bassbuffo vom Feinsten zu erleben und ein gewitzter Magier dazu, der nicht nur Maries Eltern verzaubert. Er darf in dieser tschechischen Produktion auch als Einziger einmal kurz zeigen, wie toll die „Verkaufte Braut“ auch auf Tschechisch klingt.

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