Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Terror wird zur Travestie in "Warten auf Godot"

Schauspiel Köln

KÖLN Seit einigen Jahren hat sich der Blick auf Samuel Becketts "Warten auf Godot" verändert. Es regt sich deutlicher Widerstand gegen die vorherrschenden Lesarten und Aufführungstraditionen, die das Stück der konkreten Wirklichkeit des 20. Jahrhunderts so konsequent entrissen haben. Dieser Entwicklung trägt Thomas Dannemann nun mit seiner Inszenierung im Schauspielhaus Köln Rechnung.

von Von Sascha Westphal

, 31.05.2011

Wladimir (Michael Wittenborn) und Estragon (Jan-Peter Kampwirth) sitzen ganz hinten auf Katrin Nottrodts leerer, schwarzer, nur mit Staub bedeckter Bühne. Dann fährt begleitet von einem furchteinflößenden Grollen der vorderste Teil der Bühne hoch und fördert eine riesige Menge von alten Kleidungsstücken zu Tage, die daraufhin von den beiden Wartenden hin und her geschleppt werden. Wenn Pozzo (Felix Vörtler) und Lucky (Renato Schuch) später auftreten, tragen sie mit silbrigen Glitzerfäden durchwirkte Anzüge von KZ-Häftlingen und Clownsnasen. Der Terror wird zur Travestie und damit noch viel fürchterlicher.

Ungeheure Eindringlichkeit Die Zeichen sind offensichtlich, aber dabei auch von einer ungeheuren Eindringlichkeit, vor allem im zweiten Teil der Aufführung, in dem Thomas Dannemann das Theater-Konzept seiner Inszenierung noch einmal deutlicher herausschält. Michael Wittenborn und Jan-Peter Kampwirth sind als Wladimir und Estragon keine Wartenden, sondern Gefangene. Sie spielen auf Zeit und mit ihr. Immer geht es ums Ganze, also ums Leben und Überleben, das ihnen nur das Publikum schenken kann.

Vor diesem Hintergrund entwickelt das Treiben der beiden Freunde, die schon viel zu lange zusammen sind, aber eben den Schrecken und Wahnsinn des Holocausts nur gemeinsam durchstehen können, eine ungeheure Intensität. Michael Wittenborn und Jan-Peter Kampwirth changieren dabei zwischen Hoffnungslosigkeit und Wut, einem gottergebenen Weitermachen und einer flehentlichen Sehnsucht nach dem Ende. Ihr Spiel geht unter die Haut und lässt einen "Warten auf Godot" noch einmal ganz neu erleben.

 

 

 

 

 

Termine: 5., 7., 8., 18., 19., 24. Juni; Karten: Tel. (0221) 22 12 84 00. www.schauspielkoeln.de