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Sugar Daddy auf Abwegen

Im Kino

Spätestens nach diesem Film ist Jake Scott nicht mehr nur „der Sohn von Ridley Scott“, sondern eine eigene Regie-Marke. Und Kristen Stewart hat dank seiner einfühlsamen Führung durch ein herzergreifendes Trauer-Melodram auch die Kurve gekriegt, um sich aus dem Vampir-Liebchen-Status der „Twilight“-Schnulzen zu befreien: „Willkommen bei den Rileys“

von Von Klaus-Peter Heß

, 25.05.2011
Sugar Daddy auf Abwegen

James Gandolfini und Ersatztochter Kristen Steward.

Und wie Stewart das macht! Sie spielt eine minderjährige New-Orleans-Stripperin und Hure, mit rotzfrecher Klappe und schamloser körperlicher Direktheit, aber auch mit jenem Seelenpein-umflorten Blick, der sie trotz allen Widerstandes gegen die herzliche Vereinnahmung eines älteren Ehepaars zum Liebling der Geschichte macht.

Die beginnt in Illinois, in einer jener gutbürgerlich-sauberen Villen-Vorortsiedlungen, in denen wir spätestens seit den David-Lynch-Betrachtungen wenigstens Unheil vermuten, wenn nicht gar das Grauen. In einem dieser Häuser wohnen der Unternehmer Doug Riley (ebenfalls herausragend: James Gandolfini aus „Die Sopranos“) und seine Frau Lois (ebenbürtig: Melissa Leo aus „The Fighter“). Eine Ehe vor dem Aus. Er geht fremd, weil er ihre Traurigkeit nicht mehr ertragen kann. Sie hat das Haus seit Jahren nicht mehr verlassen. Seit dem Unfalltod der 15-jährigen Tochter.

Dann haut Doug ab, nach New Orleans. Eine Geschäftsreise – bis er Ausreißerin Mallroy kennen lernt und ihr „Sugar Daddy“ wird. Ohne jeglichen sexuellen Kontakt. Dafür mit allem Einsatz eines Ersatzvaters. Später kommt Lois hinzu, schließt sich dem Zweck- und Heilsverband an. Das Ende bleibt offen. Es verspricht jedenfalls nicht mehr als auch die Realität hätte halten können. „Willkommen bei den Rileys“ ist großartiges Schauspielerkino, weil der Regisseur seine Schauspieler dazu bringt, sich vor der Kamera komplett zu entblößen. Dabei muss er ihnen nur tief in die Augen schauen. Herausragend!