Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Theater Dortmund

Süßes Nichtstun treibt „Kirschgarten“-Besitzer in den Ruin

Dortmund Keine Melancholie-Studie hat Sascha Hawemann aus Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ am Schauspiel Dortmund gemacht. Mit dem spielfreudigen Ensemble hat der Regisseur eine muntere Komödie inszeniert. Dafür gab es bei der Premiere am Freitag viel Applaus.

Süßes Nichtstun treibt „Kirschgarten“-Besitzer in den Ruin

Zu spät: Lopachin (Frank Genser) hat Gut und Garten von Ljubow (Friederike Tiefenbacher) ersteigert.Hupfeld Foto: 44793 Bochum

Die Schrecken vor den gesellschaftlichen Veränderungen um die vorletzte Jahrhundertwende scheint diese phlegmatische Gutsherren-Familie erst am Tag der Versteigerung des Kirschgartens zu ergreifen. Da bekommt das Party-Gehopse zu Technosound von Musiker Alexander Xell Dafov etwas Verzweifeltes. Doch bis zum dritten Akt genießen Friederike Tiefenbachers Gutherrin und Ekkehard Freye als bonbon- und spielsüchtiger Bruder das süße Nichtstun.

Fröhliche Rückkehr
Nachdem Uwe Schmieder als betagter Diener die Vorhänge an drei Seiten der mit einem Sammelsurium aus Stühlen möblierten Spielfläche (Bühne Wolf Gutjahr) geöffnet hat, geht es zunächst turbulent zu. Und als Kontorist legt der großartige Schmieder in dieser Doppelrolle einen furiosen Auftritt hin: Damit die neuen Stiefel nicht mehr knarzen, geht er auf den Fersen und sprudelt mit faszinierender Leichtigkeit Wortspielereien (Morgenfrust anstatt Morgenfrost) hervor, bevor er sich gekonnt zwischen zwei Stühle setzt. Dann trifft die Gutsherrin Ljubow – nach fünf Jahren in Paris – mit Gefolge ein, fröhliches Getrippel um das Spielviereck.

Zitternd betritt Ljubows Töchterchen Anja (Merle Wasmuth) im rosa Glitzerfummel (Kostüme Hildegard Altmeyer) das Kinderzimmer. Nostalgie-geschwängerte Wiedersehensfreude ist angesagt. Von Lopachins Plänen zur Rettung von Gut und Garten will Ljubow nichts wissen. Frank Gesner gibt Lopachin als Neureichen, der zwar die Gutsherrin noch bewundert, doch vor ihrer Gleichgültigkeit kapituliert.

Saure Gurken und süße Kirschen

Lustig wird es bei den Landpartien, die die Klassen noch getrennt voneinander unternehmen. Beim einfachen Volk gibt´s Gurken – nach einem Zaubertrick von Caroline Hankes resoluter Gouvernante. Bei der Herrschaft werden Kirschen gelöffelt und vom ewigen Studenten (famos Björn Gabriel) beim Gequatsche auch wieder kunstvoll ausgespuckt. Bei Hawemann reißt keine Saite, sondern ein ohrenbetäubender Sound lässt die Gesellschaft erzittern und das Ende des Dolce Vita einläuten.

Karten für diese gelungene Inszenierung über Umbruchszeiten sollte man sich schnell besorgen, da nur 80 Zuschauer ins Studio passen.

Termine: 11./18./28.1., 17.2., 7.3.; Karten: Tel. (0231)5027222.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Konzerthaus Dortmund

Perfekte Harmonie in c-Moll

Dortmund Die „Cappella Andrea Barca“ trägt den Namen ihres berühmten Gründers: András Schiff. Am Sonntag spielte sie im Konzerthaus Dortmund mit einem Talent aus der Region.mehr...

Neue Galerie Gladbeck

Das ist Landschaft 4.0

GLADBECK Ist Landschaftsmalerei hoffnungslos altmodisch? Von wegen. Sven Drühl nutzt für seine hochmodernen Bilder sogar Elemente aus Computerspielen.mehr...

Ausstellungen 2018

Kohle trifft Kunst

DORTMUND Ende des Jahres ist Schicht im Schacht, daran erinnern viele Museen in der Region mit Ausstellungen zum Thema Bergbau.mehr...