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Selbstlos in den Selbstmord

"Kabale und Liebe" bei den Ruhrfestspielen

RECKLINGHAUSEN Die Grenzen der Liebe lotet Regisseur Dusyn David Parizek mit Friedrich Schillers Drama "Kabale und Liebe" aus. Seit Mittwoch ist die Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg aus dem Jahr 2008 bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen zu sehen.

von von Britta Helmbold

, 26.05.2011
Selbstlos in den Selbstmord

Szene aus "Kabale und Liebe".

Mit dem Publikum strömt auch das Liebespaar Luise und Ferdinand ins Große Haus, erklimmt die Bühne und lässt sich mit über die Rampe baumelnden Beinen auf den Rücken fallen. Mit der Turtelei ist es vorbei, als Luises Eltern auftauchen - auf der Bühnenkante sitzend wird die Unmöglichkeit dieser Liebe diskutiert: Präsidentensohn und Bürgerstochter geht nicht. Mit reduziertem Personal, leicht modernisiertem Text und ohne giftiges Ende wie bei Schiller lässt Parizek im von ihm entworfenen, neutralen holzgetäfelten Rechteck die Stationen vom Scheitern dieser Liebe ablaufen. Im nüchtern angelegten Durchlauf schaffen die Schauspieler immer wieder emotionale Momente von großer Intensität.Komische Einlagen Für die komischen Einlagen sind vor allem Juliane Korens Mama als einfach strukturiertes Muttertier und Janning Kahnerts Hofmarschall als dämlich-feiger Schönling zuständig. Aleksandar Radenkovics Ferdinand ist ein Trotzkopf, der den Intrigen des Hofs zum Opfer fällt. Philipp Ottos gerissener Wurm weiß nicht nur die Schwächen Ferdinands zu nutzen, sondern auch die Tugend der Bürger, deren Moral ihnen zum Verhängnis wird.Verlustschmerz Julia Nachtmanns Bürgertochter sieht die Verhältnisse zwar realistischer als ihr Geliebter, was sie aber nicht davon abhält, ihren Verlustschmerz in Tränen zu ertränken. Als sie das Flennen einstellt, greift das selbstbewusste Mädchen zur Waffe - selbstlos bis zum Selbstmord. Da bleibt dann Ferdinand nichts anderes übrig, als nachzuziehen.Noch zwei Termine am 27./28.5.; Karten und Infos gibt´s unter Tel. (0 23 61) 9 21 80.www.ruhrfestspiele.de