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Neue Apps der Theater

Schauspieler werden zu digitalen Avataren

Bochum/Essen Das Schauspiel Bochum hat als erstes deutsches Theater eine Inszenierung für Smartphones auf dem Spielplan. Das Ensemble steht eher im Hintergrund – das soll in Essen und Dortmund anders sein.

Schauspieler werden zu digitalen Avataren

„Rempire“ ist als interaktive Pinnwand gestaltet. Der Bochumer Schauspieler Jürgen Hartmann gibt den mysteriösen Ernst Kritter, Beatrix Feldmann ist eine Traumforscherin. Packende Dramaturgie bei wenig Schauspiel. Foto: Schauspiel Bochum

Wenn Kay Voges im September „Die Parallelwelt“ simultan in Dortmund und Berlin inszeniert, könnte man meinen, es handele sich um ein futuristisches Novum, das seinesgleichen sucht. Doch die Welt des Schauspiels wird auch anderswo moderner, digitaler – sie findet inzwischen sogar außerhalb der Häuser statt: in Apps.

Die Schauspielhäuser Bochum und Essen haben jeweils digitale Inszenierungen, sogenannte Mobile-Games, entwickelt. Und auch Dortmund plant Ähnliches.

Spiel für Android und IOS

„Das erste Spiel“ dieser Art in Deutschland hat das Schauspiel Bochum mit Designer Stefan Scheer entwickelt: „Rempire“ heißt es. Als IOS- oder Android-Version kann man die App dazu seit Ende April herunterladen und spielen. Wir haben es ausprobiert.

Die Geschichte orientiert sich an dem rätselhaften Verschwinden der Traumforscherin Nathalie Stern. Ziel des Spiels ist es, den Schlüssel zu Sterns Traumlabor zu finden. Zwei Schauspieler sind Teil der digitalen Inszenierung, die gleichberechtigt neben klassischen Stücken im Bochumer Spielplan steht. Jürgen Hartmann als mysteriöser Dr. Ernst Kritter und Beatrix Feldmann als Nathalie Stern blicken während der Schlüsselsuche aus flackernden Porträts. Dazu erklingen schaurige Musik und Stimmgewirr.

Roter Faden verbindet Spielelemente

Aus Texten, Bildern oder Rätseln besteht das Spiel, einen roten Faden müssen die Spieler zum jeweils nächsten Element ziehen. Pfeile weisen den Weg – teils nicht ganz eindeutig. So geht es auch zurück; insgesamt gibt es aber nur einen Weg. Wer einen Fehler macht oder ein Rätsel nicht schafft, steckt fest und muss es erneut versuchen.

Die Aufgaben sind nicht genau erklärt. Kleinere Programmierungs- und logische Fehler sind verschmerzbar, da das Spiel durchaus spannend ist. Auf die dramaturgisch schwachen Versuche, Erotik und Gewalt einzubringen, hätte man verzichten können.

„Ein Projekt, das Zeit braucht“

Die App ist zudem recht groß und zieht beim Spielen viel Akku. Die Spielzeit beträgt je nach Geschicklichkeit etwa eine Stunde.

Am 6. Mai ist das Mobile-Game auf der „Theater und Netz“-Konferenz in Berlin vorgestellt worden. Die Reaktionen sind laut Christine Hoenmanns, Pressesprecherin des Schauspiel Bochum, positiv. Der Trailer zum Spiel auf Youtube hatte Dienstag (15.5.) 139 Abrufe. Aktuelle Download-Zahlen konnte das Haus nicht nennen. „Das ist ein Projekt, das Zeit braucht und sich entwickelt“, so Hoenmanns.

Essener Ensemble spielt in App und live vor Ort

In Essen ist am Dienstag (15.5.) ein ganz ähnliches Projekt vorgestellt worden. Die kostenlose Game-App „Der Spalt“ steht ab 8. Juni zum Download bereit. Diese App hört sich wesentlich komplexer an als ihr Bochumer Vorgänger; technikaffine Schauspielfans können also gespannt sein.

Das gesamte Ensemble ist in das Spiel eingebunden – in Videos und teils live vor Ort. Schauspielerisch also anspruchsvoller. Zur Geschichte: „Der Spalt“ spielt auf der realen Stadtebene und einer fiktionalen Ebene, Essen II. Aus dieser Dimension sei ein „Geisterbus“ auf der realen A40 gesichtet worden. Die Spieler schlüpfen in die Rollen der Buspassagiere, um das seltsame Ereignis zu rekonstruieren.

Dreharbeiten auf der A40

Ähnlich wie bei dem App-Hit „Pokémon Go“ können sie an verschiedenen Orten Aufgaben bewältigen, müssen sich in Essen bewegen und dort etwa Fotos machen oder Rätsel lösen. Die Handlung verändert sich durch ihre Entscheidungen; so nimmt die Geschichte nicht immer dasselbe Ende.

Gedreht wurde für die App auf der A40 mit einem realen Bus sowie im Essener Norden und Süden. Das Schauspiel passte eine bereits bestehende Software für das Spiel an. Der Bochumer App ähnelt die Essener nur im Design eines Dreieck-Puzzles; sonst bietet sie mehr Möglichkeiten.

Tutorial zum Spiel „Der Spalt“

Bis zum 30. Juni ist das Spiel freigeschaltet, wer es an einem Stück durchspielen möchte, braucht wohl mehr als einen Tag. Das Schauspiel Essen legt Wert auf Erklärungen, so gibt es unter anderem ein Tutorial zum Spiel am 10. Juni um 11.15 Uhr im Café Central International im Grillo-Theater.

Das Schauspiel Dortmund, das für seine digitalen Projekte bekannt ist, plane ebenfalls ein Stück, das man „im weitesten Sinne“ als Mobile-Game bezeichnen könne, so Pressesprecherin Djamak Homayoun. „Dafür muss man aber noch ins Schauspielhaus kommen.“ Dort könne eine kleine Gruppe von Zuschauern innerhalb eines Stückes einen Avataren steuern.

Die Premiere sei für Dezember 2018 geplant. Das Stück wird mit dem Ringlokschuppen Mülheim inszeniert – dieses Mal allerdings nicht simultan. So bleibt Voges Konzept doch einzigartig.

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