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Aalto-Theater

„Salome“ mit den Augen einer Frau gesehen

Essen Das Aalto-Theater in Essen zeigt eine spannende Neudeutung der Strauss-Oper.

„Salome“ mit den Augen einer Frau gesehen

Herodes (Rainer Maria Röhr, l.) ist nach Kindergeburtstag, Salome (Annemarie Kremer, r.) nicht mehr. Foto: Kaufhold

Der Schluss ist bekannt: Da küsst Salome die Lippen des Jochanaan, dessen Kopf man ihr auf einem Silbertablett reicht. Für ihr perverses Ziel hat sich die Femme fatale zuvor bei Stiefvater Herodes ihrer erotischen Verführungskünste bedient.

So der männliche Blick auf die biblische Geschichte, wie sie Richard Strauss in seiner Oper „Salome“ nach Oscar Wilde vertont hat. Mariame Clément wechselte am Karsamstag bei ihrer Neuinszenierung am Aalto-Theater in Essen die Perspektive: Sie blickt mit Salomes Augen auf das Stück.

18-Jährige hat keinen Bock auf Kindergeburtstagsfeier

Für die Regisseurin befreit sich Salome erfolgreich von zwei Männern, die sie nur als sexuelles Objekt sehen. Clément lässt die Oper heute spielen, Salome wird gerade 18 – volljährig.

Die Erwachsenen feiern das wie einen weiteren Kindergeburtstag. Salome hat keinen Bock darauf, zieht sich zurück zu den Bediensteten, verlangt nach dem im Keller eingesperrten Jochanaan.

Der religiöse Fanatiker und Frauenhasser verflucht sie. Die Abfuhr macht sie wütend.

Schlussstrich unter schlimme Kindheit

Ihr berühmter „Tanz der sieben Schleier“ bedient keine Männerfantasien, sondern zieht einen Schlussstrich unter eine schlimme Kindheit. Salome outet sich und macht öffentlich, was ihr jahrelang angetan worden ist vom gierig auf sie blickenden Herodes, der sie offenbar schon als Kind sexuell missbraucht hat.

Sie wehrt sich, tritt ihr Tutu mit Füßen, ritzt sich die Unterarme… Doch ist es auch Salome, die hier zuletzt lacht: den Kopf Jochanaans in Händen, während Herodes zusammenbricht.

Furiose Titelheldin

Annemarie Kremer liefert sängerisch und darstellerisch ein furioses Porträt der Salome ab: eine jugendliche Walküre mit facettenreicher Stimme. Almas Svilpa singt den Jochanaan mit rundem, kräftigem Bariton. Rainer Maria Röhr brilliert in der undankbaren Herodes-Partie.

Die Essener Philharmoniker unter Tomás Netopil geizen nicht mit verführerisch-betörendem Klang, übertreiben allerdings das Rauschhafte, sodass die Sänger trotz deutlicher Deklamation vielfach in den Wogen nicht zu verstehen sind. Ein Manko, das zu beheben ist. Ansonsten eine eindrucksvolle Produktion.

Termine: 7./15./19.4., 3./ 9./23.5., 8.6., 1.7.; Karten: Tel. (02 01) 8122200. 

www.aalto-musiktheater.de

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