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Prinz nimmt Platz auf dem Design-WC

DUISBURG Kleists blond gelockter Prinz von Homburg als Skinhead - das lässt Einiges befürchten. Doch Paul Herwig wie auch André Jung in der Rolle des Kurfürsten von Brandenburg, seines Dienstherrn, sind keine gewalttätigen Raufbolde, sondern unsicher-konfuse Kreaturen, die sich nurmehr als Militärs aufspielen.

Prinz nimmt Platz auf dem Design-WC

Sandra Hüller und Paul Herwig.

Die Inszenierung, ein Gastspiel der Münchner Kammerspiele bei der RuhrTriennale, ist letztmalig heute (11.10.) Abend im Theater Duisburg zu erleben. Der besondere Clou der Produktion von Johan Simons (Regie) und Jan Versweyveld (Bühne und Licht) sind die hohen, rechtwinklig aneinander gesetzten verspiegelten Glaswände, welche den Raum zu einem Gefängnis machen. Durch eine Schwingtür eintretend, wird jede Figur multipliziert und von allen Seiten beleuchtet, kann sich aber auch, wie es besonders der Prinz gern tut, narzisstisch im Spiegel selbst betrachten.

Tortz Sieges verwirkte der Prinz sein Leben

  Ansonsten gibt es nur noch ein Designerklo aus Edelstahl, auf dem der Prinz rittlings sitzt, den Kopf an der Wand: "Ich will auf halbem Weg mich niederlassen! Wer heut sein Haupt noch auf den Schultern trägt, hängt es schon morgen zitternd auf den Leib, und übermorgen liegt's bei seiner Ferse." Grund seiner Verzweiflung: Übereifrig und befehlswidrig zu früh in die Schlacht geeilt, hat er laut Kriegsrecht und Kurfürst sein Leben verwirkt, obwohl er einen Sieg errang.

Sprachlich anstrengend trotz guter Schauspieler

Zwei essenzielle Dinge hat Johan Simons dem Kleistschen Drama fast ausgetrieben: das Pathos und die "lieblichen Gefühle". Distanziert und auf die Sprache beschränkt, ist die zweieinhalbstündige Aufführung deshalb für den Theaterbesucher auch recht anstrengend - trotz der glänzenden Akteure, von denen auch Sandra Hüller als Natalie und Christoph Luser als Graf Hohenzollern herausragen.

Karten-Tel. (0700) 20 02 34 56

  

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