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„15:17 to Paris“ im Kino

Normalverbraucher werden zu Helden

Dortmund Hollywood-Regisseur Clint Eastwood verfilmt den realen Anschlag auf einen Schnellzug und lässt in „15:17 to Paris“ drei Amerikaner sich selbst spielen: Besser ist der Film dadurch nicht geworden, meint unser Kinokritiker.

Normalverbraucher werden zu Helden

Spencer Stone spielt Spencer Stone: Im Schnellzug nach Paris hechtet er in Richtung des Attentäters. Foto: Warner Bros.

Da geht die Drehbuchautorin Dorothy Blyskal aber weit zurück, wenn sie uns drei Knirpse an der Schule vorstellt, denen der Direktor regelmäßig den Kopf wäscht. Später sehen wir die Lausebengel als Halbwüchsige, bei MacJobs und beim Militär, wo einem Dickschädel wie Spencer Stone der Marsch geblasen wird.

Taugenichts bekommt 94 Film-Minuten Ruhm

Alles halb so wild, auch der größte Taugenichts bekommt die Chance, sich zu beweisen, die Warholsche Gelegenheit auf 15 Minuten Ruhm.

Oder eben auch 94 Minuten Ruhm, denn solange läuft „15:17 to Paris“, die neue Regiearbeit von Clint Eastwood, die zeigt, wie drei amerikanische Normalverbraucher im Jahr 2015 zu Helden wurden: Spencer Stone, Alek Skarlatos, Anthony Sadler spielen sich selbst.

Sie waren es, die einem Marokkaner in den Arm fielen, der im Schnellzug eine Kalaschnikow zückte.

Original-Bilder von Präsidenten-Ehrung

Der Kerl hatte 300 Schuss dabei und wollte ein Blutbad anrichten, das die Amerikaner durch ihr Eingreifen verhinderten. Zum Ende hin schneidet Eastwood Bilder von der Ehrung durch Präsident Hollande in seinen Film, doch im Grunde ehrt er das Trio über volle 94 Minuten.

Tenor: Oh ja, sie haben viel Mist gebaut, die Drei, aber seht, was aus ihnen geworden ist! Die Lehrer haben nicht an sie geglaubt und wollten den Müttern Pillen für die Jungs aufschwatzen: alles Pädagogen-Blödsinn und Schwarzmalerei. Jungs, die mit Waffen spielten und Krieg als Spaß sehen, können anderen den Hals retten, weil sie ruhigen Kopf bewahren, wo Zitterbacken Panik kriegen.

Film demonstriert konservative Werte

Stellte man Clint Eastwood auf den weltanschaulichen Prüfstand, erwiese er sich als konservativer Knochen, der an Amerika, seine Werte, seine Armee und seine Jungs glaubt – all das demonstriert der Film.

Überlange, lahme Exposition (wie Linklaters „Boyhood“ im Schnelldurchlauf), Gefasel von Schicksal und Bestimmung, dann folgen fünf Minuten Heldentum. Spannungsarm, vorhersehbar – woran auch der „Besetzungs-Coup“ nichts ändert.

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