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Neue Dortmunder Skulptur „The Searcher“ wirkt unglaublich echt

Höhepunkt im U-Turm

Ankäufe von Kunst durch die öffentliche Hand sind nicht mehr möglich? Von wegen. Sie sind allerdings wegen zusammengestrichener Museumsetats selten geworden. Doch das Museum Ostwall im Dortmunder U und die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf haben am Dienstag herausragende Ankäufe vorgestellt.

Dortmund

, 10.07.2018
Neue Dortmunder Skulptur „The Searcher“ wirkt unglaublich echt

Das neue Kunstwerk im Dortmunder U heißt „The Searcher“ und stammt von Roy Villevoye. Also: Der Herr auf der rechten Seite lebt, der andere ist aus Silikon. © Bettina Jäger

Dass Dortmund dabei überhaupt Düsseldorf das Wasser reichen kann, liegt am neuen Chef des Dortmunder U-Turms, Edwin Jacobs, und dem begnadeten niederländischen Künstler Roy Villevoye. Sein Skulptur „The Searcher“ ist der neue Hingucker im Museum Ostwall im U. Jacobs brachte für den Ankauf 58.000 Euro zusammen – absolut gerechtfertigt, denn der Künstler arbeitete fünf Monate an diesem Meisterwerk. „Es steht an der Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Gegenwart“, sagte Nicole Grothe, die Leiterin der Sammlung.

Die Skulptur ist jedenfalls so lebensecht, dass man es kaum glauben kann. Von den Bartstoppeln bis zu den lehmverkrusteten Gummistiefeln ist sie ein perfektes Abbild des Niederländers Jean Paul – ein ungewöhnlicher Typ, den der Künstler auf den einstigen Schlachtfeldern von Verdun getroffen hat. Im Grenzland von Belgien und Frankreich sammelt Jean Paul Überreste des Ersten Weltkrieges, zeigt sie in seinem Museum „Romagne 14-18“ und will damit den Frieden fördern.

Auf dem Schlachtfeld

Roy Villevoye war fasziniert von dem Mann und seinem einsamen Stochern nach der Vergangenheit. „Auf den Schlachtfeldern liegt noch alles herum“, erzählte Villevoye. Zusammen mit Jan Dietvorst drehte er zuerst einen Film über Jean Paul („After the battle“– Nach der Schlacht) und schuf anschließend die Skulptur, für die Jean Paul dem Künstler seine eigene Kleidung und vor allem eine Schaufel überließ, die er als wichtigstes Exponat seines Museums betrachtet hatte. Nun steht ein Mann aus Silikon und echten Haaren im Museum – bepackt mit Stahlhelmen, Stacheldraht und den Resten eines Unterstandes aus Wellblech, der einst von Waffen brutal zerfetzt wurde. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland? Jedenfalls stammen alle Fundstücke von „unserer“ Seite der Front. Die Schrecken des Krieges, unser Blick aufs Gestern – hier schwingt vieles mit. Extrem sehenswert!

Neue Dortmunder Skulptur „The Searcher“ wirkt unglaublich echt

Das Gemälde „Bildnis der Kunsthändlerin Johanna Ey“ (1924) von Otto Dix schauen sich Susanne Gaensheimer (v.l.), Direktorin Kunstsammlung NRW, Armin Zweite, Kunsthistoriker und Isabel Pfeiffer-Poensgen, Kulturministerin von Nordrhein-Westfalen (parteilos) an. © dpa

Und in Düsseldorf? Da trägt eine füllige Kunsthändlerin ein Diadem im Haar, ein lila Kleid und blickt starr durch eine dicke Brille. So hat Otto Dix „Mutter Ey“ gemalt, die als Kunsthändlerin im frühen 20. Jahrhundert die Kulturszene im Rheinland mitgeprägt hat und ihre Galerie damals auf dem Gelände der heutigen Kunstsammlung führte. Mit finanzieller Unterstützung mehrerer Geldgeber hat die Kunstsammlung NRW das Gemälde angekauft. Das Bild war dort zuvor nur als Leihgabe zu sehen. Johanna Ey sei „eine Institution der rheinischen Kunstszene“, und Dix habe ihr ein imponierendes Denkmal gesetzt, sagte Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.

„The Searcher“ im Museum Ostwall im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse 2, 5. Etage, Di/Mi/Sa/ Do/Fr 11-20, So 11-18 Uhr. Auf der Website des Künstlers finden sich Ausschnitte von „After the battle“. „Bildnis von Mutter Ey“, Kunstsammlung NRW, Grabbeplatz 5, 2. Etage, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.