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Buchkritik

Martin Walser: „Gar alles oder Briefe an eine unbekannte Geliebte“

Drei Tage nach seinem 91. Geburtstag ist Martin Walsers neues Buch erschienen, ein Brief-Roman. Aber der verstört und lässt die Leser etwas ratlos zurück.

Martin Walser: „Gar alles oder Briefe an eine unbekannte Geliebte“

Briefromane hat Martin Walser schon geschrieben. Aber in den früheren Romanen gab es auf jeden Brief im Buch einen Antwort-Brief. Das ist in seinem neuen Buch anders: Zu Walsers 91. Geburtstag am 24. März ist nun das Buch „Gar alles oder Briefe an eine unbekannte Geliebte“ erschienen.

Der Büchner-Preisträger und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels lässt die Hauptfigur (und eigentlich gibt es nur die eine handelnde Person) zwischen dem 30. Oktober 2016 und Sommer 2017 an eine unbekannte Dame 37 Briefe schreiben. Es geht um Sehnsucht, um Sexfantasien und um die Liebe.

Unglückliche Liebe

Denn dieser Justus Mall, früher Oberregierungsrat, heute Philosoph, ist in zwei Frauen verliebt. Dass diese Liebe unglücklich ist, versteht man als Leser, wenn man die Briefe liest. „Ich habe mich verrannt“, lässt Walser seinen Helden ganz richtig feststellen, wenn er – unappetitlich – über die trockene Scheide einer Dame philosophiert.

Eigentlich ist diese Aneinanderreihung von Briefen ein Selbstgespräch von Justus Mall, als Roman ist sie verstörend. Walser schreibt, wie man das von dem dienstältesten und renommiertesten deutschen Autor seiner Generation gewohnt ist, ist einer sehr schönen Sprache, setzt Wörter wie Kostbarkeiten aneinander – nur der Inhalt macht wenig Sinn.

Wunschbild einer Frau

Es fällt schwer, diesen Justus Mall sympathisch zu finden. Und die Adressatin, das Wunschbild einer Frau und eine Utopie, tut einem fast schon ein wenig Leid, solche Post bekommen zu haben.

Walser hat auch im Alter kein Problem damit, politisch anzuecken. Über US-Präsident Donald Trump lässt er seinen Helden sagen, er hielte ihn für einen „begrüßbaren Präsidenten“, der ihm „entsprochen habe“.

Ganz am Schluss ahnt man, dass die Adressatin dieser Briefe vielleicht doch keine unbekannte Frau ist. Da macht der Roman Sinn, aber Martin Walser hat schon viel bessere und interessantere Bücher geschrieben.

Martin Walser: Gar alles oder Briefe an eine unbekannte Geliebte, 112 S., Rowohlt, 18 Euro, ISBN 978-3-4980-7400-5.

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