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Märchenonkel für Morbides

Ben Becker las das "Todesduell" von Donne

RECKLINGHAUSEN Der Text liegt ihm: Eine Meditation über Leben und Sterben, Fäulnis und Auferstehung aus der Feder von John Donne (1572-1631). Ben Becker las bei den Ruhrfestspielen Donnes "Todesduell", die letzte Predigt des wortmächtigen Engländers, der als Großer der "Metaphysischen Dichtung" gilt.

von von Kai-Uwe Brinkmann

, 09.05.2011
Märchenonkel für Morbides

Pathos-Drechsler und Märchenonkel für Morbides: Ben Becker.

Das Leben ist Reise und Wanderschaft, der Körper nur Tempel des Geistes. Am Ende wird er die Würmer nähren. Das wahre Leben ist das nach dem Tode, das Leben im Herrn. Da spricht ein Prediger, von schwerer Krankheit gezeichnet. Das Ende naht, und John Donne spendet sich Trost: Der Leib mag verrotten, die Seele nicht. Beckers Markenzeichen, sein grabesdunkler Bass, tönt düsterer denn je, als er am Pult die schwarzen Tiefen dieser Todes-Reflexion auskostet. Donnes barocker, blumiger Ausdruck weidet sich an Schauerbildern fleischzehrenden Gewürms, Becker weidet sich an Donnes Sprache. Getragen pastoral sein Rezitiertempo, jeder "Moll-Akkord" bedeutungsschwer gesetzt.Totentanz im Tutu Im Dämmerlicht der Bühne steht ein Sarg, es brennt eine Kerze. Ein Mädchen im Tutu fasst Becker bei der Hand, dreht zwei, drei Pirouetten mit ihm. Ah, Totentanz! Ein Spinett spielt, in Tom Waits-Manier heult und grummelt Becker "My Death", David Bowies Adaption eines Liedes von Jacques Brel: Mein Tod wartet wie eine Hexe in der Nacht... Sakralchöre verkünden Überirdisches, die Predigt erstirbt. Becker entkleidet sich, im Adamskostüm geht er ins Dunkle, seinem Schöpfer entgegen. Das Mädchen bläst die Kerze, das Lebenslicht aus. Vom Erhabenen zum Lächerlichen, von Kunst zu Kitsch ist es nur ein Schritt. Becker geht ihn.Lyrisches Nocturne Nach der Pause trägt er Joseph Brodskys "Elegie an John Donne" vor. Nacht über England. Schneeflocken fallen, alles schläft. Nur einer nicht. Donnes Geist wallt über Feld und Flur. Ein lyrisches Nocturne zu verschatteten Streichern, ergriffen-selbstergriffen geflüstert und geschmachtet. Ben Becker, Pathos-Drechsler und Märchenonkel für Morbides. Dem Publikum gefällt's: Johlen und viel Beifall.

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