Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Neu im Kino

„Layla M.“ ist klug und kämpferisch

Dortmund Der holländische Film „Layla M.“ erzählt davon, wie eine junge Frau zu den Islamisten ging – realitätsnah gleich einer Dokumentation. Dabei verzichtet Regisseurin Mijke de Jong bewusst auf gängige Klischees, lobt unser Kinokritiker.

„Layla M.“ ist klug und kämpferisch

Nora El Koussour spielt Layla M. im gleichnamigen Film. Foto: Missing Films

Man kann nicht sagen, dass die 18-jährige Layla zu den Ausgegrenzten und Abgehängten der holländischen Gesellschaft gehört. Sie steht kurz vor dem Abitur, ihr Vater betreibt ein Geschäft, die Familie mit marokkanischen Wurzeln gehört zum Mittelstand von Amsterdam.

Trotzdem wird das Mädchen (gut: Nora El Koussour) immer radikaler in seinem Glauben und schließt sich einer Gruppe von Salafisten an.

Mädchen radikalisiert sich ganz ohne Gehirnwäsche

„Layla M.“, ein Film der Holländerin Mijke de Jong, kommt uns nicht mit klischeehaften Kausalitäten oder bequemen Schuldzuweisungen, wenn er erzählt, wie eine junge Muslima Identität, Stärke und Trost sucht und all das bei radikalen Glaubensbrüdern findet.

Layla durchleidet keine Gehirnwäsche, geht keinen Rattenfängern auf den Leim, und fährt trotzdem nach Jordanien, um Muslimen dort zu helfen.

Latenter Rassismus macht Layla wütend

Der Film bedient nicht die gängigen Erklärungsmuster, nach denen Layla ein genasführtes Opfer wäre: Sie ist intelligent, selbstbewusst, kämpferisch und forsch – eine Emanzipierte unterm Schleier, so merkwürdig das klingen mag. Sie hat eine Antenne für scheele Blicke und Gesten der Ablehnung, sie wittert den latenten Rassismus im Alltag, das macht sie wütend.

Beobachtende Distanz statt dramatische Inszenierung

„Layla M.“ ist ein Spielfilm, aber einer, der die Nähe, Direktheit und  das Ungekünstelte einer Doku herzustellen vermag. Nie hat man das Gefühl, einer Inszenierung beizuwohnen.

Der Film verzichtet auf alle Kniffe, darauf Empathie und Dramatik zu schüren, er hält eine Perspektive nüchtern beobachtender Distanz, er moralisiert nicht, und das macht ihn so überzeugend. Menschenkino von großer Sensibilität, prima gespielt, mitten aus dem Leben.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Dortmund Es ist die Kinosaison des Franz Rogowski: Bei „In den Gängen“ füllt er als Großmarktangestellter Christian in der Getränkeabteilung die Regale auf, räumt Paletten weg, lernt den Gabelstapler zu bedienen. Kollege Bruno wird sein Mentor und väterlicher Freund. Der Christian gut zuredet, als er merkt, dass der Neue unglücklich verliebt ist. Wunderbar, meint unser Kinokritiker.mehr...

Dortmund Als die Kinos ihrer Umgebung nach und nach dicht machten, haben sich Daniel Huhn und Stefan Kreis gefragt, was aus den Orten wird ohne die Filme. Mit Regisseur Benjamin Leers von der Produktionsfirma Benda Film entstand die Idee, einen Film über die Orte zu drehen fernab der etablierten Kinokolosse. Auf der Homepage Heimatkino.ruhr stellen die Filmemacher sieben Häuser episodisch vor, und es gibt eine einzigartige Karte.mehr...

Dortmund Wo traf Han Solo eigentlich Chewbacca? Und wie verdiente er sich seine Sporen? Das sind Fragen aus dem Universum, denen nun „Solo: A Star Wars Story“ nachspürt. Kein besonders origineller Streifen, aber auch nicht überflüssig, meint unser Kinokritiker.mehr...