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Krystian Zimerman führt Fäden wie ein Puppenspieler

Klavier-Festival ruhr

Krystian Zimerman ist ein Pianist, der nichts dem Zufall überlässt. Ein Perfektionist durch und durch. Auch zu seinem Konzert beim Klavier-Festival am Mittwoch im Konzerthaus Dortmund, das von unserer Zeitung präsentiert wurde, war der polnische Weltstar mit eigenem Steinway-Flügel angereist.

DORTMUND

von Julia Gaß

, 14.06.2012
Krystian Zimerman führt Fäden wie ein Puppenspieler

Krystian Zimerman und das Hagen Quartett spielten ein umjubeltes Konzert beim Klavier-Festival in Dortmund.

Mit dem Hagen Quartett hat Zimerman außerdem ein Ensemble mitgebracht, das selbst geschlossen wie ein Mann spielt und mit dem Pianisten vollkommen harmonierte. Was der Perfektionist Zimerman nicht planen konnte: Sein polnisch-österreichisches Team hatte einen Gegner bei der Fußball-EM. Und der hieß Deutschland gegen Polen. Rund 800 Besucher ließen sich dieses seltene Gastspiel von Zimerman, der sich rar macht auf der Bühne, trotzdem nicht entgehen und erlebten in der ersten Halbzeit ein Programm mit Spezialitäten und Raritäten. Zimerman ruht in sich, wenn er Klavier spielt.Großartige Harmonie Der 55-Jährige war schon im ersten Klavierquintett seiner Landsfrau Grazyna Bacewicz wie ein Puppenspieler, der die Fäden führt. Und das Quartett, für dessen großartige Harmonie drei Geschwister sorgen, folgte ihm so, als spiele ein vierstimmiges Instrument. Vor 60 Jahren wurde das Werk ausgeführt. Es ist spannende Musik, die das Ensemble atmosphärisch sehr dicht entwickelte.Farbige Interpretation 30 Jahre älter ist Janaceks erstes Streichquartett, aber es wirkte in der farbigen Interpretation viel moderner. Tolstois Erzählung "Kreutzersonate" deutet Janacek, und die Streicher ließen das Publikum mit nah am Steg gestrichenen Klängen in die Seele einer gequälten Frau blicken. Nach der Pause folgte mit Schumanns Klavierquintett ein Gipfelwerk der Kammermusik. Ihm gab das Ensemble viel Schwung und romantische Emphase. Und trotzdem klingt bei Zimerman alles höchst kontrolliert und so vollendet, wie man es kaum auf CD hören kann.Große Kunst Wie er mit dem Quartett Ruhe im langsamen Satz aufbaute und im Finale die Fuge strukturierte, war große Kunst. - Ovationen im Stehen. Wer das Konzert der EM vorgezogen hat, wird's nicht bereut haben.