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Kleiner Mann ist König in seinem Reich der Illusion

Ruhrfestspiele: "Tod eines Handlungsreisenden"

Nein, mit Loriots Sketch vom Vertreterbesuch hat dieses Stück wenig zu tun. Kein gut gelaunter Staubsaugerverkäufer, der den "Saugbläser Heinzelmann" vorführen möchte. Kein heiterer Herr Blümel, der die "Oberföhringer Vogelspinne" erst mal selbst verkostet. Willy Loman ist ihr trauriger, allerdings wahrhaftigerer Kollege: Ein Vertreter geht auf seine letzte Fahrt.

RECKLINGHAUSEN

von Von Bettina Jäger

, 12.06.2012
Kleiner Mann ist König in seinem Reich der Illusion

Burghart Klaußner spielt Willy Loman.

Wilfried Minks hat den "Tod eines Handlungsreisenden" von 1949, mit dem Arthur Miller den Pulitzer-Preis gewonnen hat, in einer Koproduktion der Ruhrfestspiele mit dem St. Pauli Theater Hamburg inszeniert. Die Bühne für die Premiere am Montagabend bei den Ruhrfestspielen schuf er auch - kein Wunder, denn Minks ist als Bühnenbildner von Peter Zadek berühmt geworden.

Wenig originelle Inszenierung Um so erstaunlicher, wie konventionell die Szene geraten ist: Sofas rechts und links, auf der einen Seite Abgang ins Bad, auf der anderen in ein Spiegelkabinett, aus dem Willys Bruder Ben (Niels Hansen) als Gevatter Tod erscheint. Vielleicht liegt es an dieser etwas unoriginellen Inszenierung, dass die Aktualität des Stoffes nicht so recht zur Wirkung kommt.

An den Schauspielern liegt es jedenfalls nicht. Im braunen Dreiteiler (Kostüme: Nini von Selzam) hockt Burghart Klaußner als Willy in seinem Häuschen - der König in einem Reich aus puren Illusionen.Großartiger Burghart Klaußner Miller schuf die tragische Figur des kleinen Mannes, der sich ständig selbst etwas vorlügt, aber dieser Ausnahme-Schauspieler gestaltet sie mit großer Wucht. Ein Kraftpaket, das sich mit Schweiß auf der Stirn gegen die Wahrheit stemmt - nämlich die, dass der amerikanische Traum für ihn und seine Söhne genau das bleiben wird.

An der Seite Klaußners ist Margarita Broich als Linda Loman das große Plus dieser Inszenierung, mühelos wechselt sie die Zeitebenen von der optimistischen jungen Mutter zur verhärmten Frau, die bis zuletzt ihre Strümpfe stopfen muss, aber niemals aufgibt. Großer Applaus.

Termine: 13./ 14./ 15./ 16.6., Karten: Tel. (02361) 9 21 80.