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John Malkovich eröffnete als Casanova: Ein sanfter Verführer

Ruhrfestspiele

RECKLINGHAUSEN Giacomo Girolamo Casanova. Frauenheld und Frauenverführer, Lustmolch und Lebenskünstler. Sein Herz steckt auch in Mozarts Don Giovanni und Leporello, im Figaro und Grafen, in Guglielmo und Ferrando.

von Von Julia Gaß

, 04.05.2011
John Malkovich eröffnete als Casanova: Ein sanfter Verführer

John Malkovitch liegt als Casanova den Frauen (Ingeborga Dapkunaite) zu Füßen und gerne mal in ihrem Schoß.

Hollywoodstar John Malkovich hat aus den Da Ponte-Opern und Casanovas Memoiren "Giacomo Variations" zusammengepuzzelt und damit am Dienstag die Ruhrfestspiele eröffnet. Am Schluss gab's viel Jubel; der zweite Teil des Mosaiks, das sich erstaunlich gut zusammenfügt, ist schlüssiger und spritziger als der erste. Und das Publikum im Festspielhaus Recklinghausen hatte sich den Mix aus englischen Texten, Mozart-Musik und Schauspiel gewöhnt. Die "Giacomo Variations" sind ein mit Musik gespicktes Schauspiel. Sie flirten nicht mit großen Hits aus "Figaro", "Cosi fan tutte" und "Don Giovanni". Die gibt es zwar mit der Register- und Champagnerarie, aber meist haben Regisseur Michael Sturminger und Dirigent Martin Haselböck unbekanntere Ensembles und Arien gewählt. Mozarts Opern muss man gut kennen, um die Szenen zu erkennen.Überraschungseffekt

Der Abend beginnt verblüffend. Der 57-jährige Malkovich kommt auf die Bühne, ruft wie Mozarts Figuren nach Freiheit ("Viva la libertá"), sackt zusammen. Schlaganfall. "John?", ruft eine Inspizientin, eilt auf die Bühne, Musiker der Wiener Akademie und Musical Angelica stehen auf, auch Zuschauer im Parkett mit Handy in der Hand: "Wir brauchen einen Arzt". Das Publikum hielt die Luft an. - Eine glänzende schauspielerische Leistung, die in der ersten Reihe Ehrengäste wie Günter Lamprecht verfolgten. Casanova Malkovich wird auf eine Trage gebettet, reanimiert und verjüngt sich dann im Laufe der folgenden zwei Stunden als Casanova, spaziert in Betten, die hinter Vorhängen in drei Riesen-Reifröcken verborgen sind, sitzt am Schreibtisch, schreibt Memoiren.

Es ist nicht der markante Hollywoodstar, der sich da in gefährliche Liebschaften einlässt, mehr der leise Verführer, der am Schluss mit der Cavatine aus "Don Giovanni" sanft zum Abschied singt. Malkovich gibt nicht den potenzstrotzenden Casanova, der sich mit Champagner unterm Arm von Abenteuer zu Abenteuer stürzt, sondern mehr den distinguierten Schürzenjäger, der seine Reize in der Brieftasche trägt.

Tolle Sänger

Er spielt nicht so markant wie im vergangenen Jahr den Serienmörder Jack Unterweger, aber ist als gealterter Casanova glaubwürdig. Und er ist nicht der Star, um den sich alles rankt, sondern fügt sich ins Ensemble ein. Und kann singen. In Ensembles mit den Sängern und im Sprechgesang in Melodramen.

Andrei Bondarenko ist Bariton-Allzweckwaffe in vielen Rollen, Sophie Klußmann eine herzerweichende lyrische Sopranistin. Florian Boesch leiht Malkovichs Giacomo seine Stimme. Und Ingeborga Dapkunaite ist das Schauspielerinnen-Pendent zum Casanova. Sehenswert. Termine: 5., 6., 7., 8.5. Karten: Tel. (0 23 61) 921 80www.ruhrfestspiele.de