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Industriedenkmal

Hüttenwerke unter Gewerbegebiet entdeckt

Witten Kaum sind die Industriedenkmäler entdeckt, steht ihr Abriss an: Archäologen haben im Boden Überreste von Hüttenwerken gefunden. Sie können nicht erhalten bleiben, darum denken Verantwortliche über eine Ausstellung nach.

Hüttenwerke unter Gewerbegebiet entdeckt

Eine Drohne ist über das Gelände „Drei Könige“ geflogen und hat Bilder aus der Luft aufgenommen. Das Foto zeigt die Überreste der Denkmäler. Foto Archäologie am Hellweg eG

Wenn ein Bagger auf einer Baustelle überraschend eine Etage einbricht, ist das sehr ungewöhnlich. Genau das ist vor circa vier Wochen auf einem Gelände in Witten passiert, auf dem das neue Gewerbegebiet „Drei Könige“ entsteht. Warum war der Bagger eingekracht?

Auf dem Gelände zwischen der Hans-Böckler-Straße und Drei Könige sind zwei unterirdische Gebäudekomplexe entdeckt worden. Es handelt sich um die Reste der Bessemer und Steinhäuser Hütte. Sie waren zwischen 1844 und 1845 gebaut worden und produzierten einst Stahl aus Roheisen. Der besagte Bagger war in einen Hohlraum dieser unterirdischen Komplexe gefallen.

Überreste können nicht an Ort und Stelle bleiben

Der Eigentümer des Geländes, die Stadt Witten, hat daraufhin den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) über den Fund informiert. „Der Erhaltungszustand der ehemaligen Hüttenwerke ist sehr gut“, sagt Michael M. Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen.

Michael Rind und LWL-Archäologen haben sich darum gekümmert, dass das Gelände mithilfe von Drohnen und modernen Messmethoden untersucht wird. „Wir möchten das Gelände dokumentieren“, sagt Rind.

Der Fund ist einzigartig in Europa

Fest steht schon jetzt, dass die Reste der Hüttenwerke nicht erhalten werden können. Sein Herz blute deswegen aber nicht, meint Michael Rind: „Das ist bei Ausgrabungen oft der Fall. Wir müssen uns mit der Dokumentation begnügen.

Die Dokumentation der archäologischen Befunde wird dazu beitragen, die Bau- und Modernisierungsgeschichte solcher Hüttenwerke nachzuvollziehen. Laut dem LWL gibt es in ganz Europa keine vergleichbaren Überreste.

So sieht es auf der Baustelle momentan aus

Das Foto zeigt die nördlich gelegene Steinhäuser Hütte.
Große Bagger beginnen nun, die Hüttenwerke vorsichtig einzureißen.
Sarah Gonschorek, Grabungsleiterin für den nördlichen Bereich der ehemaligen Steinhäuser Hütte, kann noch nicht abschätzen, wie lange die Arbeiten noch andauern werden.
Das Gelände misst eine Größe von vier Hektar.
Deutlich treten Bögen und Gewölbe in den Überresten der Hüttenwerke hervor.
Unter dem Boden fanden Archäologen Öfen, die für die Stahlproduktion genutzt wurden.
Vergleichbare Überreste gibt es in Europa kaum mehr, sagen LWL-Archäologen.

Der ehemalige Standort der Hüttenwerke war vor Beginn der Bauarbeiten der Stadt Witten bekannt. Da sie aber seit 100 Jahren auf keiner Karte verzeichnet waren, ging die Stadt Witten als Bauherrin davon aus, dass sie längst abgerissen worden waren. „Das zeigt, wie wenig wir über diese Zeit wissen“, sagt Olaf Schmidt-Rutsch, Wissenschaftlicher Referent des LWL-Industriemuseums.

Die Archäologen zweier Fachfirmen haben auf dem vier Hektar großen Gelände Gewölbe und Überreste technischer Anlagen gefunden. Darunter Flammöfen und mutmaßliche Siemens-Martin-Öfen. Michael Rind kann sich vorstellen, dass die Funde der Archäologen der Öffentlichkeit gezeigt werden – gern in Form einer Ausstellung.

Hohlräume müssen verdichtet werden

Sarah Gonschorek, Grabungsleiterin für den nördlichen Bereich der ehemaligen Steinhäuser Hütte, kann nicht genau sagen, wann die Arbeiten abgeschlossen sind. Nachdem die Hüttenwerke freigelegt worden sind, können nun die Archäologen damit beginnen, die Strukturen vorsichtig mit Baggern einzureißen.

Die Hütten-Reste weichen, nur die Außenwände bleiben stehen. Die Hohlräume werden „verdichtet“, wie Rind sagt. So entsteht ein stabiler Grund, in den kein Bagger mehr stürzen kann, und auf dem sich das neue Gewerbegebiet „Drei Könige“ erstrecken kann.

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