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Geigenkönigin verzückt mit Musik voller Herzblut

Anne-Sophie Mutter beim Klavier-Festival Ruhr

Werke, die Musiker in Auftrag geben, sind für alle dankbar: für die Komponisten, weil sie mit den Interpreten viel absprechen können, für die Musiker, weil ihnen die Werke auf die Finger geschrieben sind, und für das Publikum, weil es Aufführungen erlebt, in die die Solisten viel Herzblut investieren. Anne-Sophie Mutter präsentierte beim Klavier-Festival zwei Auftragswerke.

Dortmund

, 08.06.2018
Geigenkönigin verzückt mit Musik voller Herzblut

Große Gesten und große Gefühle: Anne-Sophie Mutter (in dem Kleid, das sie auf dem Cover ihrer Mendelssohn-CD trägt) mit Pianist Lambert Orkis in Dortmund © Mark Wohlrab

Geigenstar Anne-Sophie Mutter ließ am Donnerstag beim Klavier-Festival Ruhr im Konzerthaus Dortmund das Festivalmotto „Vive la France“ links liegen und sorgte mit zwei Auftragswerken für die Konzert-Höhepunkte: mit „The Fifth Season“ von ihrem Ex-Mann André Previn und der zweiten Sonate von Penderecki aus dem Jahr 2000.

Mutter zeigt leichtfüßig Bravour und viel Gefühl

In einer langen Soloeinleitung lässt Previn die Geigerin brillieren und gibt ihr dann viel Freiraum für ihre große gestalterische Vielfalt. Noch perfekter hat Penderecki seine Sonate auf die Münchnerin zugeschnitten. Ein Sechs-Ton-Motiv variiert er so mannigfaltig, dass Mutter ganz leichtfüßig Bravour, technische Klasse und im Notturno viel Gefühl zeigen konnte.

Die 54-Jährige ist eine Perfektionistin, die souverän und technisch makellos spielt – besonders mit ihrem langjährigen Begleiter Lambert Orkis, der Akzente setzt, sich aber nie in den Vordergrund spielt. Was Bravour und Emotionalität angeht, haben jüngere Geiger mit ihr gleich gezogen, aber die Münchnerin ist die große Dame des Geigenspiels mit Glamour-Ausstrahlung.

Intime Zwiegespräche

Selten hat man sie mit Bachs Solo-Partiten gehört. Die zweite Partita mit der Chaconne – ein Grabstein für Bachs verstorbene Frau– spielte sie zu Beginn flott; Sarabande und Chaconne machte sie dann eindrucksvoll zum intimen Zwiegespräch. Auch Mozarts einzige Violinsonate in Moll ist ein Werk, in dem Mutter zeigen konnte, wie ausdrucksstark sie Musik mit Seele füllen kann.

Eröffnet hatte sie das Konzert mit dem Scherzo aus der F.A.E-Sonate von Brahms – mit energischem Strich, aber etwas rau im Klang. Mit Brahms’ erstem Ungarischen Tanz und dem Thema aus John Williams’ Filmmusik zu „Schindlers Liste“ dankte das Duo als Zugaben für großen Jubel. Die Gagen spenden die Musiker einem Waisenhaus im rumänischen Orlat.