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Gefühlssplitter aus dem deutschen Osten

"We Are Blood" bei den Mülheimer Stücken

MÜLHEIM Ostdeutsche Lebenswelten blitzen auf, aber der große Wurf gelingt Regisseur Sascha Hawemann mit "We Are Blood", am Samstag bei den Mülheimer Stücken aufgeführt, nicht. Zu lange dauert das Zeichnen der Charaktere, zu wenig Tiefe hat seine Inszenierung des Stückes.

von von Kai-Uwe Brinkmann

, 23.05.2011
Gefühlssplitter aus dem deutschen Osten

Das Schauspiel Leipzig spielt "We are blood".

Der Architekt und sein Utopia: "Einkaufs- und Freizeitzentrum mit Eiffelturm und Ententeich". Ein Öko-Aktivist, der gegen die Bauwut kämpft. Der Arzt, der über Seele, Evolution und Individuum räsoniert. Ein 16-jähriger Schmalspur-Rapper, der im Krankenhaus verzweifelt-versaute Verse reimt und noch Jungfrau ist. Fritz Katers "We Are Blood", in Mülheim vom Schauspiel Leipzig gespielt, legt ein Puzzle aus Befindlichkeiten und Lebensentwürfen. Doch diese splitterhafte Erzähltechnik braucht eine Weile, bis die Figuren Kontur entwickeln.  Dann erst filtrieren sich Gemeinsamkeiten heraus. Alle leiden an existenzieller Leere, ringen um Sinn und ein Stück vom Glück. Verortet ist das im deutschen Osten. Wo Aufbruch ein Gesicht aus Beton hat, Naturschützer sich um Fluss-Auen sorgen, und junge Kerle auf Alleestraßen gegen Bäume rasen.Szenische Überblendungen Sascha Hawemanns Inszenierung arbeitet mit szenischen Überblendungen. Lichtwechsel - und das Krankenhaus wird Restaurant. Nach einem Autounfall, wohl ein Suizidversuch, liegt Benny bandagiert in der Klinik. Seine Schwester hat eine Liaison mit einem Vogelschützer, trifft ihren Ex, der im Brutgebiet eine Trabantenstadt hochzieht. In Monologen und Gesprächen blitzen Lebenswelten auf. Das macht Kater sehr geschickt, wie er per Tonfall Figuren und Milieu charakterisiert und karikiert. Trotzdem: Der große Wurf, das Panorama "Lebensgefühl Ost" gelingt ihm nicht. Das Thema Ökonomie versus Ökologie wirkt seltsam aufgepfropft, anderes bleibt vages Stückwerk. Mehr Breite als Tiefe. - Auffallend kurzer Pflichtapplaus.

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