Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

„Transit“ im Kino

Flüchtlinge stranden im Warteraum zur Hölle

Dortmund Christian Petzolds neuer Kinofilm „Transit“ tauscht früher gegen heute. Ein Wagnis, meint unser Kinokritiker.

Flüchtlinge stranden im Warteraum zur Hölle

Georg (Franz Rogowski) hat nur kleines Gepäck. Foto: Schramm Film

Der Mut zur Irritation, zum Bruch mit dem Erwartbaren findet sich oft bei Christian Petzold. In vielen seiner Filme scheinen Geschichte und Plot sich aufzulösen und  atmosphärischen Stimmungen Raum zu geben. Petzolds Figuren existieren oft in  Zwischenwelten, die an Alltägliches erinnern, aber nach eigener Logik funktionieren.

Vorlage stammt von Anna Seghers

Mit „Transit“ hat Petzold nun eine autobiografische Geschichte von Anna Seghers fürs Kino adaptiert, erschienen 1944. Seghers erzählt von Flüchtlingen, die in Marseille auf Papiere und die Passage in die Freiheit warten, während die Nazis ihnen an den Kragen wollen. Ein historischer Stoff aus Vichy-Frankreich, den Petzold mutig in die Gegenwart stellt. Er habe die „Musealität der Vergangenheit“ vermeiden wollen, sagt Petzold im Interview.

In den Gassen von Marseille

So läuft der von Franz Rogowski gespielte Georg durch die Gassen von Marseille, wo moderne Autos parken, und Polizisten in modernen Uniformen Razzien veranstalten. Helikopter knattern über der Stadt, Sirenen sind zu hören, Illegale wie Georg leben in Angst. Von deutschen Faschisten ist die Rede, von Lagern und Deportationen.

Christian Petzold geht es nicht um konkrete Politik, er fängt das Lebensgefühl von Flüchtlingen ein. Immer auf dem Sprung, gestrandet im Warteraum zwischen Hölle und Hoffnung. Assoziationen zu aktuellen Fluchtbewegungen sind gewollt. Dank zweier Briefe kann Georg sich als berühmter Autor ausgeben, dessen Frau (Paula Beer) auch in Marseille ist.

Nüchtern kühler Blick auf eine hoffnungslose Situation

Dramaturgisch ist der Film sparsam „möbliert“, sein Blick auf die Gestrandeten ist nüchtern kühl. Georg entwickelt eine stoische Gelassenheit, wobei Rogowskis schlafwandlerisches Spiel wunderbar zum Szenario einer Welt im Schwebezustand passt.

Dieses Sich-treiben-lassen, heimatlos, haltlos, hoffnungslos ist der emotionale Kern des Films, das Lebensgefühl von Millionen moderner Nomaden. Sehr spröde, fast zu spröde erzählt, mit Rogowski aber absolut treffend besetzt.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Dortmund Es ist die Kinosaison des Franz Rogowski: Bei „In den Gängen“ füllt er als Großmarktangestellter Christian in der Getränkeabteilung die Regale auf, räumt Paletten weg, lernt den Gabelstapler zu bedienen. Kollege Bruno wird sein Mentor und väterlicher Freund. Der Christian gut zuredet, als er merkt, dass der Neue unglücklich verliebt ist. Wunderbar, meint unser Kinokritiker.mehr...

Dortmund Als die Kinos ihrer Umgebung nach und nach dicht machten, haben sich Daniel Huhn und Stefan Kreis gefragt, was aus den Orten wird ohne die Filme. Mit Regisseur Benjamin Leers von der Produktionsfirma Benda Film entstand die Idee, einen Film über die Orte zu drehen fernab der etablierten Kinokolosse. Auf der Homepage Heimatkino.ruhr stellen die Filmemacher sieben Häuser episodisch vor, und es gibt eine einzigartige Karte.mehr...

Dortmund Wo traf Han Solo eigentlich Chewbacca? Und wie verdiente er sich seine Sporen? Das sind Fragen aus dem Universum, denen nun „Solo: A Star Wars Story“ nachspürt. Kein besonders origineller Streifen, aber auch nicht überflüssig, meint unser Kinokritiker.mehr...