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Florian Wiegand arbeitet im Herz vom Konzerthaus

Serie "Zehn vor Acht"

DORTMUND. Zehn vor acht: Florian Wiegand steht vor der Künstlergarderobe im Konzerthaus Dortmund und wartet auf den Solisten. Der 37-Jährige ist Chef des KBB. Und das ist kein Geheimdienst - obwohl das KBB die Schaltzentrale des Konzerthauses ist. Das Herz, in dem alle Fäden zusammenlaufen. Und vieles geheim bleibt, bis der Spielplan veröffentlicht ist. Manches für immer.

von Von Julia Gaß

, 24.05.2011

Florian Wiegand leitet das Künstlerische Betriebsbüro, das es in jedem Konzerthaus und Theater gibt. Er entwickelt gemeinsam mit Intendant Benedikt Stampa den Spielplan und die thematischen Reihen und Schwerpunkte, verhandelt mit Künstlern und Agenturen Gagen, Termine und Konzertprogramme der rund 100 Eigenveranstaltungen im Jahr. Er hört neue Musiker, reist in andere Säle und zu Festivals, knüpft Netzwerke mit Kollegen und Agenturen, bucht Hotels und Reisen für die Musiker, ist verantwortlich für die Disposition aller 240 Veranstaltungen im Jahr, stellt Abo-Reihen zusammen, legt Eintrittspreise fest, koordiniert mit seinen Kollegen die organisatorische und technische Umsetzung der Veranstaltungen und sorgt dafür, dass sich alle Ensembles und Künstler wohl fühlen. Und hat die Verantwortung für  das Eigenveranstaltungsbudget des Hauses, bewegt 3,5 Millionen Euro im Jahr. Ein  Macher.Herr des Kalenders Eigentlich müsste Florian Wiegand Kaufmann, Jurist, Musiker bzw. Musikwissenschaftlersein. Er hat Kulturmanagement mit einem Fulbright-Stipendium in den USA studiert, ist Hobby-Bratschist, hat in seiner Heimatstadt München im JugendSymphonieOrchester gespielt und schon während des Studiums bei Institutionen wie den Salzburger Osterfestspielen, dem Kunstfest Weimar oder den Berliner Festwochen gearbeitet. Erwollte erst Musiker werden, dann für ein Orchester arbeiten. Das hat er auch in München und beim Pittsburgh Symphony Orchestra erfolgreich getan. „Die Arbeit in einem Konzerthaus ist spannender. Hier kann man sich für jedes Repertoire die besten Leute aussuchen“, freut sich der agile Münchner.Erster Arbeitstag am Richtfest Das Richtfest am 3.9.2001 war sein erster Arbeitstag fürs Konzerthaus, als Assistent des Gründungsintendanten Ulrich Andreas Vogt. Im Januar 2005 wurde er Leiter des KBB. Mit seinen Kollegen Tilmann Schmidt und Christian Lenzing ist er ein perfekt eingespieltes Team – wie alle im Dortmunder Konzerthaus Hand in Hand arbeiten. Offiziell hat immer nur einer Abenddienst aus dem KBB, meist sitzen aber alle im Saal, hinten links im Parkett, und sorgen dafür, dass Backstage alles läuft. Weil es so viel Spaß macht. Der Arbeitstag von Florian Wiegand beginnt um 10 Uhr, am Wochenende erst, wenn die Künstler kommen. Zwischen Telefon, Computer und Dispositionsplänen sitzt der Herr des Kalenders am Schreibtisch, den Saal am Monitor im Blick, wenn dort geprobt wird. Knapp 1000 Emails sind durch sein Postfach allein für die „Norma“ von Cecilia Bartoli gegangen, bei Esa-Pekka Salonens Residenz sind es schon ebenso viele. Florian Wiegand lebt in drei Jahren. Während im Saal ein Konzert läuft, stellt er die nächste Spielzeit zusammen und verhandelt für die übernächste. Manchmal vereinbart er schon Termine in vier Jahren. „Man muss sehr gut voraus denken“ sagt er, „und frühzeitig nah dran an den Künstlern sein“.Einspielprobe Meist kommen die Orchester um 17.30 Uhr zur Einspielprobe, manchmal auch schon ein paar Tage früher, wie z.B. bei den Residenz-Projekten des Mahler Chamber Orchestra, wie diese Woche mit Daniel Harding am Pult.Dann hört Florian Wiegand im Parkett zu, prüft, ob die Klangbalance stimmt. Bis kurz vor acht sitzt er wieder in seinem Büro, dann begrüßt er im Foyer Agenten, Kollegen, Partner. Um zehn vor acht wünscht er in der Künstlergarderobe toi toi toi und schaut noch mal beim Inspizienten neben der Bühne vorbei. In der Pause ist er mit dem Intendanten zusammen der Erste, der den Künstlern ein Feedback gibt und den Solisten gratuliert. Ob Anne-Sophie Mutter oder ein Nachwuchstalent – Florian Wiegand behandelt alle gleich. „Wir betreuen Menschen“ betont er. Darauf, dass die sich alle wohl fühlen und von dem netten Team schwärmen, ist er stolz."Ein Traumjob" Entspannter wird es nach dem Konzert, beim Essen mit den Künstlern im Strawinski. „Dabei entstehen oft Pläne für künftige Projekte, enge Kontakte und sogar Freundschaften. Oft reden wir aber auch über andere Dinge als über Musik. Über Fußball, Politik, Familie“, erzählt Florian Wiegand. Den 14-Stunden-Arbeitstag genießt er: „Dies ist ein „Traumort und ein Traumjob.“