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Filmexperiment mit Erzählfetzen aus Europa scheitert

Schauspielhaus Bochum

Die Gruppen Kainkollektiv und Sputnic versuchen sich am Schauspielhaus Bochum an einem Film-Theater-Experiment – und straucheln.

Bochum

, 03.07.2018
Filmexperiment mit Erzählfetzen aus Europa scheitert

Coole Performer gefallen sich vor dem westlichsten Punkt Festland-Europas.Foto Küster © Diana Küster

Noch bevor die Zeche 1 unter Intendant Johan Simons wieder zum regulären Spielort des Schauspielhauses Bochum wird, fand dort die letzte Premiere der Interims-Spielzeit von Olaf Kröck statt: In „Western Dreams and Eastern Promises“ der Performance-Gruppe Kainkollektiv ist die Bühne Schnittstelle vieler Erzählungsfetzen aus Europa.

Filmische Reise

Mit den Medienkünstlern von Nils Voges‘ Gruppe Sputnic haben die Performer mit Handkameras neuralgische Punkte des Kontinents aufgesucht: Die Ruinen von Athen, die als Wiege Europas gelten, aber heute vor allem als Sorgenkind der Währungsunion verhandelt werden. London, dessen multikulturelle Bevölkerung mit dem Brexit hadert. Das unter rechter und restriktiver Politik leidende Warschau. Wien, wo der alte Glanz Europas noch erhalten ist wie in einem Freilichtmuseum.

Mitten im Bühnenraum steht eine große Leinwand aus vier wandelbaren Elementen. Kainkollektiv und Sputnic versuchen sich davor und darauf an einer filmischen Erzählung, in der antike Götter hinabsteigen in das heutige Europa, um die Schuld zu begleichen, die der Kontinent über Jahrhunderte auf sich geladen hat. Mit der Theorie Aimé Césaires und Achille Mbembes im Gepäck geht es um die Kritik von Kolonialismus und Kapitalismus.

Schein und Sein

Manchmal agitieren sie regelrecht und fordern, dass Europa endlich seinen „Arsch hochkriege“, um seine Probleme zu lösen. Wer sich nicht bewege, sitze irgendwann in der „braunen Scheiße“. Und natürlich gibt es drängende Probleme auf diesem Kontinent, der seine Felle davon schwimmen sieht.


Die Frage ist nur, wem dabei mit langem und langatmigem, fragmentarischem Roadmovie-Theater mit Livemusik Operngesang und unklaren Andeutungen geholfen ist. Manchmal sieht man vor allem von vier Institutionen geförderte Performer, die sich allzu sehr darin gefallen, sich gegenseitig an coolen europäischen Spots zu filmen und dabei ein irgendwie apokalyptisches Szenario zu behaupten.

Termine: 8.Juli, Karten: Tel. (0234) 33335555,
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