Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

"Endstation Sehnsucht" in Hagen: Die Schöne und der Testosteronprotz

HAGEN So viel Amerika hat es auf der Bühne des Hagener Theaters noch nicht gegeben. Nach dem Musical-Klassiker "West Side Story" zum Saison-Auftakt hatte nun die Opern-Fassung des Tennessee-Williams-Dramas "Endstation Sehnsucht" Premiere.

von Von Karsten Mark

, 06.10.2008
"Endstation Sehnsucht" in Hagen: Die Schöne und der Testosteronprotz

Suchen ihr Glück: Stefanie Dovhan als Stella (l.) und Dagmar Hesse als Blanche.

Bislang war Intendant Norbert Hilchenbach gut mit den Amerikanern gefahren. Wohl deshalb schickte er das Musical dem Williamsschen Südstaaten-Drama im Spielplan voraus. Denn so bekannt und erfolgreich Bühnenstück und Verfilmung auch sind, die Opern-Fassung von André Previn und Librettist Philip Littell ist es auch zehn Jahre nach der Uraufführung in St. Francisco nicht annähernd geworden.Musik verliert ihre Prägnanz

Bedrängt durch die Williams-Erben, den Text nicht zu sehr zu verändern, beschränkte sich Littell mehr oder weniger darauf, das Stück bloß zu straffen. Previn fing mit der Vertonung erst an, als das Libretto schon fertig war. Heraus kam eine behutsam gestraffte Version des Originals, die mit Musik dramatisiert wurde. Dadurch verliert die Musik ihre Prägnanz und ihren Stellenwert.Inszenierung enttäuscht nicht

Die Inszenierung enttäuscht unterdessen nicht. Ein bewährtes Team aus Regisseur Roman Hovenbitzer, dem Ausstatter Jan Bammes und dem Videokünstler Volker Koster holt aus dem Kammerspiel, das ausschließlich in der winzigen Zwei-Zimmer-Wohnung des Rüpels Stanley Kowalski sowie in der Erinnerung und Phantasie seiner Schwägerin Blanche spielt, wirklich alles heraus, was sinnvoll und möglich ist. Hervorragende Besetzung

Die Videoeinspielungen visualisieren Blanches Innenwelt in dezenter Stummfilmästhetik, die Bühne lässt Klaustrophobie und Bedrohung mit sparsamen Mitteln spürbar werden, und Regisseur Hovenbitzer hat gleichermaßen wie GMD Florian Ludwig eine Idealbesetzung zur Verfügung. Dagmar Hesse als Blanche und Stefania Dovhan als kleine Schwester Stella, die gesanglich perfekt harmonieren und kontrastieren, sowie Frank Dolphin Wong als Testosteronprotz Stanley und Dominik Wortig als sensibler männlicher Gegenpart Mitch. Allein schon diese Besetzung und die hohe Qualität der Inszenierung machen "Endstation Sehnsucht" sehenswert. Trotz seiner drei Stunden Spielzeit ist am Ende der Premiere der Jubel groß und berechtigt. Die frei gebliebenen Plätze sprechen leider für sich.

 Karten unter: Tel. (02331)207-3218.

 

Schlagworte: