Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

"Don Karlos": Posa stürzt über seine Ideale

DÜSSELDORF Don Karlos schläft schlecht. In einem Traum sieht er sein Ende - und diesen stellt Michael Talke an den Anfang seiner umjubelten "Don Karlos"-Inszenierung im Düsseldorfer Schauspielhaus.

von Von Britta Helmbold

, 05.10.2008
"Don Karlos": Posa stürzt über seine Ideale

Don Karlos (Daniel Graf, vorne) ist durch seine unglückliche Liebe handlungsunfähig und enttäuscht Freund Posa (Markus Scheumann).

Schillers Freiheitsdrama war ursprünglich als Dreiecksgeschichte geplant. Regisseur Talke zeigt die verwickelten Liebes- und Sehnsuchtsbeziehungen, doch ihm geht es vor allem um die Frage, wann Koalition, Kooperation zum Verrat der Ideale wird, ob der Zweck die Mittel heiligt.

Posa hält die Ideale der Freiheit hoch und geht am Ende doch ein Bündnis mit dem König ein. Ganz verschmitzt wie ein jugendlicher Rebell, der Vertrauen gefasst hat, spielt Markus Scheumann ihn, wenn er dem König von seinen Visionen erzählt. Zielsicher nimmt er das Menschenglück in seine Hand und stolpert über seine eigenen Prinzipien. Denn, wenn auch aus Schutz, lässt er seinen Freund Karlos festnehmen, ihn nicht über sein Schicksal selbst bestimmen.

Misstrauen

Misstrauen ist also angebracht und davon werden die Figuren zerfressen. Sie leben in ständiger Angst vor "Lauschern" an diesem intriganten Hof, sehr schön bildlich umgesetzt auch in Hugo Gretlers Bühnenbild. Schalldicht-gepolsterte Schiebewände mit unzähligen Türen öffnen sich zu weiten Räumen und Klaustrophobie auslösenden Zellen. Immer wieder öffnen die Protagonisten die Türen, um sich zu vergewissern, dass niemand lauscht. Werden die Wände beiseite geschoben, entdeckt man so manchen unerwünschten Mithörer. Gespielt wird auf dieser genial-schlichten Bühne in schicken schwarzen Anzügen mit weißem Hemd (Herren) und edlen schwarzen an Designer-Modelle erinnernden Kleidern (Kostüme: Klaus Bruns).

Macht

Daniel Grafs Kronprinz Karlos sieht nicht nur bekümmert und leidend aus, sondern ist durch seine unglückliche Liebe zur Stiefmutter handlungsunfähig und vertraut zu allem Überfluss der Falschen, Prinzessin von Eboli. Die gibt Cathleen Baumann willensstark und machtorientiert, da Karlos ihre Liebe verschmäht. So nimmt sie das anzügliche Angebot von König Philipp an, den Götz Schultze wandelbar vom selbstherrlichen Despoten bis zum verzweifelt um einen Freund suchenden spielt. Hingegen verliert Claudia Hübbecker als seine Königin Elisabeth selten die Haltung, agiert ganz zielgerichtet.  

Schnell wechseln die knappen Szenen zwischen einzelnen Protagonisten in der fast dreieinhalbstündigen Aufführung. Rasant sind auch die Massenszenen zu den Hof-Gerüchten inszeniert. Talke setzt vor allem auf seine Schauspieler, verzichtet fast gänzlich auf Effekte. Nur der allmächtige Vater-König darf zweimal per Video als riesige Kopf-Projektion sprechen.

Termine: 9., 15., 21., 28., 28. und 30. Oktober; Karten: Tel. (02 21) 8 52 34 39.

Schlagworte: