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Die englische Katze beißt

Henze-Festival in Münster

MÜNSTER Was man über Hans Werner Henze auch liest oder hört: Die Worte Grenzgänger und Rebell tauchen immer wieder auf. Der Wohltöner unter den zeitgenössischen Komponisten beschwört gerne den Widerspruch als Lebensformel: „Nur insofern etwas in sich selbst einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und Tätigkeit“, sagt er. Zu seinem 85. Geburtstag am 1. Juli ehrt Münster den Westfalen mit einem Festival: „Henze!“

12.05.2011

Vom 26. Juni bis zum 10. Juli sind Opern, Solowerke, Kammermusik, Vorträge, Lesungen und Kinovorstellungen geplant. Geschultert wird das 400 000 Euro teure und von vielen Sponsoren mitfinanzierte Festival von den Städtischen Bühnen, dem Sinfonieorchester und der Gesellschaft für Neue Musik, es gibt Kooperationen mit der Musikhochschule, der Westfälischen Schule für Musik und der Universität. Bisher habe es keine wichtige Auseinandersetzung mit Henzes Werk in Münster gegeben, erklärte Kulturdezernentin Andrea Hanke. Die Nachbarn waren da schneller. Für den oft gespielten Komponisten war 2010 ein großes Jahr: Kulturhauptstadt Essen hatte ein umfangreiches Henze-Projekt auf die Beine gestellt. „Wir bieten jetzt die Ergänzung zum Ruhr-2010-Programm“, sagte Wolfgang Quetes, Generalintendant der Städtischen Bühnen, gestern bei der Pressekonferenz.Doppelmoral Allein drei Opern sind zu hören. „Die englische Katze“ eröffnet das Festival am 26. Juni, eine „satirische Komödie“, so Quetes. Die Gesellschaftssatire im Gewand einer Fabel soll die bürgerliche Doppelmoral anprangern. Die Oper spielt im viktorianischen England: Die Katzen im Salon von Mrs. Halifax haben sich zur „Königlichen Gesellschaft für den Schutz der Ratten“ vereint und wollen künftig vegetarisch leben. Um Präsident zu werden, soll der biedere Lord Puff vorher heiraten. Doch jemand anderer will die Ehe verhindern ... Es inszeniert Ernö Weil, Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura dirigiert. Die zweite Oper ist eines der Zentralwerke Henzes: das politische Rezital „El Cimarrón“. Der kubanische Schriftsteller Miguel Barnet erzählte die Geschichte des geflohenen Sklaven Esteban Montejo, Hans Magnus Enzensberger machte daraus das Libretto für Henzes rhythmusbetonte Musik, zu hören am 1. Juli.Märchenoper Die Märchenoper „Pollicino“ ist eine Mischung aus „Der kleine Däumling“ und „Hänsel und Gretel“: Ein bitterarmes Holzfällerpaar setzt seine sieben Söhne im Wald aus. Bereits 2005 wirkte die Musikschule bei einer Inszenierung mit, damals ein Projekt der Landesmusikakademie NRW in Heek. Diesmal hat sich die Musikschule mit der Musikhochschule zusammen getan. Premiere ist am 9. Juli. „Es sind drei Opern, die den Komponisten jeweils in einem ganz anderen Licht zeigen“, freut sich Reinbert Evers von der Musikhochschule. Ebenso erfreulich sei, dass bei dem Festival fast alle Künstler aus der Region kommen. „Die Ensembles vor Ort beschäftigen sich seit geraumer Zeit mit Henze“, so Musikschulleiter Ulrich Rademacher. Evers widmet sich mit der Gitarre der „Royal Winter Music“. Die beiden Gitarrensonaten beschäftigen sich mit Shakespeare, Schauspieler Benjamin Kradolfer wird dazu aus Shakespeare-Stücken rezitieren. Spannend wird gewiss auch im Sinfoniekonzert die Gegenüberstellung von Henzes achter Symphonie, die sich direkt auf Felix Mendelssohn Bartholdys Bühnenmusik zum „Sommernachtstraum“ von Shakespeare bezieht. Bei den kammermusikalischen Abenden wird das Ensemble Compania ein „Lebenslaufkonzert“ spielen, das Ensemble:Hörsinn konfrontiert die Musik Henzes mit der seiner Schüler.Briefe an Ingeborg Das Schloßtheater stellt Henze als Filmmusikkomponisten vor und zeigt „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und „Eine Liebe von Swann“. Wer Henze tatsächlich war, offenbart neben seiner Musik vielleicht auch der Briefwechsel mit der sehr guten Freundin Ingeborg Bachmann. Die Schauspieler Carola von Seckendorff und Frank-Peter Dettmann lesen daraus am 4. Juli. Ob Henze selbst kommen wird, ist noch ungewiss. Eine Einladung hat er zumindest bekommen.  

Höhepunkte des Programms
26. Juni: Die englische Katze, Oper, Städtische Bühnen, Großes Haus. Weitere Termine: 29. Juni, 2. Juli, 8. Juli.
26. Juni: Henze als Komponist von Musik zu Filmen, Schloßtheater. Weitere Termine: 29. Juni, 3. und 6. Juli
27. Juni: Kammermusik, Musikhochschule
28. Juni: Solowerke und Kammermusik, Picassomuseum
1. Juli: El Cimarrón, Oper, Städtische Bühnen, Kleines Haus
2. Juli: Royal Winter Music, Städtische Bühnen, Kleines Haus
3. Juli: Neue Musik, Ensemble:Hörsinn, Franz Hitze Haus
4. Juli: Lesung aus dem Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze. Musikhochschule
5. Juli: Sinfoniekonzert, Städtische Bühnen. Weitere Termine: 6. und 10. Juli
7. Juli: Beethoven, Heucke, Brahms mit Mirijam Contzen (Violine), Musikhochschule
8. Juli: Bach, Henze, Mozart, Erbdrostenhof
9. Juli: Pollicino, Märchen für Kinder, Städtische Bühnen
Karten unter Tel. (0251) 5909-100.