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Die Schöne und der Asket

DORTMUND Ungleicher und trotzdem so harmonisch kann ein Paar kaum sein: Anne-Sophie Mutter und ihr Ex-Ehemann André Previn - das waren im Dortmunder Konzerthaus die Schöne und der Asket.

von Von Julia Gaß

, 22.11.2007
Die Schöne und der Asket

Das Publikum feierte Anne-Sophie Mutter und den Dirigenten André Previn inmitten der Musiker des Concertgebouw Orchester.

Die Geigerin, die den schönen Klang und makellosen Ton über alles stellte - auch wenn sie sich glutvoll, aber immer mit der von ihr gewohnten absoluten Kontrolle über den Ton in Tschaikowskys Violinkonzert hineinfallen ließ. Und der Dirigent, der sich mit behutsam ordnender Hand ganz zurücknahm hinter dem vorzüglichen Concertgebouw Orchester.

Glutvoll durchdachte Interpretation

Der 78-jährige Previn dirigierte im Sitzen, schien dabei etwas müde. Wie frisch und musikalisch lebendig wirkte dagegen die 44-jährige Grande Dame der Violine, die mit dieser reifen, glutvoll durchdachten Interpretation viele junge Geigenstars, die das Werk stürmischer angehen, in den Schatten stellte.

Man kann sich gar nicht vorstellen, dass Anne-Sophie Mutter nur einen Ton spielen könnte, der nicht von vollendeter Schönheit, makellosem Glanz ist und mit traumwandlerischer Sicherheit angesetzt ist. Alles ist geschmackvoll am Spiel dieser sanften Virtuosin - auch, wenn sie mit Glissandi im 1. Satz in die Töne hineinrutschte, in beweglichen Tempi nach Zigeunertonmomenten suchte und im Finale mit leicht und selbstverständlich klingender Virtuosität furiose Tempi anschlug. Unendliche viele Schattierungen hat Mutters Geigenton, der hinreißend kristallin leuchtete und glutvoll loderte.

Minimale Gesten

Das Concertgebouworkest, gerade wieder zu Europas zweitbestem Orchester gewählt, mit dem Spitzenreiter, den Wiener Philharmonikern, die vier Tage zuvor in Dortmund zu Gast waren, zu vergleichen, wäre unfair. Previn ist kein Prêtre, der mit so viel Suggestionskraft dirigiert. Und Rachmaninows 2. Sinfonie ist nun mal nicht Mahlers zugespitzter "Titan".

Das Epische der Rachmaninow-Sinfonie betonte Previn in der ungekürzten Urfassung. Erdige, dunkle Töne aus dem Bauch eines Orchesters entlockte er den Amsterdamern, aber er bremste das Orchester mehr, als dass er es aus der Reserve lockte. Große Klangräume füllte er im Adagio, ließ die Musik in einem großen Streicherstrom fließen.

Previns große Kunst ist es, mit minimalen Gesten Orchesterregister zu ordnen und Klänge zu lichten und zu schichten. In Glinkas Ouvertuere zu "Ruslan und Lyudmila" zu Beginn ließ er die Zügel lockerer, das Orchester temperamentvoller und quirliger musizieren.