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Die A40 trennt auch im Theater das Publikum

Grillo-Theater Essen

Reicher Süden, armer Norden. Das erlebte das Publikum auch am Dienstagabend im Grillo-Theater in der Uraufführung von „Der Prinz, der Bettelknabe und das Kapital“

von Britta Helmbold

Essen

, 21.02.2018
Die A40 trennt auch im Theater das Publikum

Die Jugendlichen aus dem Norden: Mohammad Reza Zakeri Niasar, Noah Njie, Philipp Noack, Diyar Al Mohammad, Ayca Kekec, Selina Eyilmez, Maurice Birkner Foto: Kaufhold

Jugendclub auf großer Bühne: „Der Prinz, der Bettelknabe und das Kapital“ feierte am Dienstag Uraufführung im Essener Grillo-Theater. Regisseur Volker Lösch hat mit Dramaturgin Christine Lang Mark Twains Märchen fortgeschrieben, es nach Essen und in die Gegenwart verlegt.




Eine Mauer trennt das Publikum im Parkett

Mit viel Aufwand ist „Das Märchen von der sozialen Gerechtigkeit“ inszeniert. Eine Mauer trennt das Parkett: Im reichen Süden steht die Theaterbestuhlung, im armen Norden sitzt das Publikum auf Kissen, der Blick auf die Bühne ist ihm verwehrt.

Doch was auf der jeweils anderen Seite der A40 der gespaltenen Stadt passiert, lässt sich über Bildschirme verfolgen. Nur vom Rang aus hat man einen Überblick über das ganze Geschehen – und muss auch am Umzug nach der Pause und zum Ende auf die Bühne nicht mitmachen.


Jugendliche erzählen aus ihrem Leben


In den Zuschauerräumen erzählen Jugendliche – meist chorisch gesprochen – aus ihrem Leben. Man kennt das aus Jugendclub-Produktionen, nur bei Lösch dauert der Abend unendlich lange zweieinhalb Stunden. Irgendwann klettern die Darsteller dann über die Mauer, tauschen die Jacken und tauchen in die Milieus der anderen ein.

Unterstützt werden die jungen Leute von Ensemblemitgliedern, die – bis auf Erzählerin Lisan Lantin – ebenfalls in mehrere Rollen für kleine plakative Spielszenen schlüpfen.


Anfang einer Debatte


Aus Twains König ist der reichste Mann der Stadt geworden, ihm gehören die Discounter DIAL. Axel Pröhl spielt ihn und den Filialleiter im Norden, wo er eine Verkäuferin und alleinerziehende Mutter (Anke Stedingk) tyrannisiert.

Thomas Büchel ist im Norden als Streetworker, im Süden als Lehrer unterwegs. Floriane Kleinpaß gibt die Vermögensberaterin und die Schulleiterin aus dem armen Stadtteil.

Am Ende des „sozialen Experiments“ geht’s zusammen mit dem Parkettpublikum auf die Bühne, wo in Plenum-Atmosphäre Ideen zur Umverteilung geäußert werden („Gleicher Lohn für alle auf der ganzen Welt“) – rund 15 Minuten lang. Kein Märchen-Ende, Löschs Inszenierung soll als Debatten-Anfang verstanden werden.

Termine: 22.2., 15./17./ 23.3.; Karten: Tel. (0201) 8122200.
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