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"Der Fall der Götter" bietet bissige Schlusspointe in Marl

Ruhrfestspiele Recklinghausen

Selbstzerfleischung einer Familie. In Viscontis "Die Verdammten" schimmert kaum maskiert die Dynastie der Krupps durch, Stahlbarone, die von Essenbeck heißen. Nach dem Drehbuch zum Film haben Tom Blokdijk (Bearbeitung) und Stephan Kimmig (Regie) eine Bühnenversion erstellt: "Der Fall der Götter", gesehen im Theater Marl bei den Ruhrfestspielen.

MARL

von Von kai-Uwe Brinkmann

, 15.06.2012
"Der Fall der Götter" bietet bissige Schlusspointe in Marl

Beim "Fall der Götter" fliegen die Fetzen.

Eine Sippe zwischen Neid und Intrige, umklammert von den Nazis. Die Inszenierung vom Deutschen Schauspiel Hamburg geht das Ränkespiel als Groteske an. Auf der Bühne von Katja Haß stehen Flügel und Schlagzeug, die Musiker unterfüttern Dialoge oder stimmen eine Polka an. Hinten türmt sich eine Stuhlpyramide, vorne stehen Badewanne, Tisch, Stühle.Mehrere Rollen Die Akteure stemmen mehrere Rollen. Markus John spielt den Patriarchen Joachim, mit Sturmfrisur dessen Sohn, auch einen dritten, der Direktor werden will und Joachim umbringt. Das führt dazu, dass John sich selbst erschießt, Täter und Opfer spielt. Grotesk. Mord, Ehebruch, Erpressung, Vergewaltigung. Die Grausamkeit Shakespearscher Königsdramen trifft auf eine Faschismus-Analyse. Zum Wohl der Firma (und zum eigenen) heulen die Essenbecks mit den braunen Wölfen. Der SS-Mann (Lukas Holzhausen): "Die Moral des Individuums existiert nicht mehr, wir bilden eine Elitegesellschaft!"Kaspergrelles Tuntentheater Morbide Dekadenz umweht die Sippe. Ein Couplet wird kaspergrelles Tuntentheater, zackig tanzt der Hauptsturmführer. Tote tragen Engelsflügel - Verfremdungseffekte, mäßig witzig. Der Tenor des Stückes: Wer mit den Barbaren anbändelt, wird selber einer. Bissig ist die Schlusspointe, ein Tritt für die Restauration unter Adenauer. Weihnachten 1952. Der Ober-Nazi singt den "Lachenden Vagabund", die Essenbecks sind wieder obenauf.

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