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Im Kino

Der Choleriker Churchill bot Hitler die Stirn

Dortmund Joe Wrights „Die dunkelste Stunde“ porträtiert Winston Churchill in Zeiten von Englands schlimmster Not. Bekommt Gary Oldman für die Darstellung des ruppigen Politikers einen Oscar?

Der Choleriker Churchill bot Hitler die Stirn

Gary Oldman verkörpert Winston Churchill, hier in seiner ikonografischen Pose mit Zigarre Foto: Universal Pictures Foto: dpa

In Umfragen zu Englands großen Persönlichkeiten landet er immer ganz vorn, egal, was neuere Biografen ihm an Charakterfehlern wie Rassendünkel oder Kaltherzigkeit attestieren. Den Briten ist Winston Churchill für einen Wesenszug lieb und teuer, nämlich für seine Starrköpfigkeit gegenüber Adolf Hitler.

Galionsfigur von Siegeswillen

Im Sommer 1940 hatte Deutschland die Franzosen in die Knie gezwungen, auch England schien erledigt. Sein Heer war eingekreist, die Evakuierung über den Kanal war mehr Hoffnung als reale Option. Es ist „Die dunkelste Stunde“ (Titel des Films von Joe Wright), als nach Ränkespielchen ein Mann Premierminister wird, der nicht einmal den Rückhalt seiner Partei genießt. Churchill ist ein Verlegenheitskandidat.

Wer war dieser Winston, der sich so gern mit Zigarre ablichten ließ? Was passierte in jenen Maitagen, als ein Politiker auf dem absteigenden Ast über Nacht zur Galionsfigur von Siegeswillen wurde?

Regisseur und Drehbuchautor zeigen eine subjektive Wahrheit



Joe Wright und Drehbuchautor Anthony McCarten können und wollen nicht die absolute Wahrheit für sich reklamieren, wohl aber eine stimmige subjektive Wahrheit. Der zufolge war Winston ein ruppiger Choleriker, der sich mit seinem Scheitern arrangiert hatte. Eines aber geht Churchill gegen den Strich, das Taktieren seines Vorgängers Chamberlain. Der wollte und will mit Hitler verhandeln. Churchill schwillt der Kamm:

Mit Hitler zu verhandeln, sei Schwachsinn. Churchill ist ein Mann des Empires, das Empire winselt nicht um Gnade. „Die dunkelste Stunde“ ist ein Kammerspiel aus dem Befehlsbunker, getragen von starken Darstellern. Gary Oldman brilliert als Churchill, macht sich die Körperlichkeit eines älteren Übergewichtigen zu eigen, spielt Depression und aufbrausendes Naturell gleichermaßen präsent. Oscarwürdig. Sein Maskenbildner bekommt Extra-Credits im Abspann – die Fettpolster sehen absolut echt aus.

Ein Film mit Gehalt und Qualität

Kristin Scott Thomas ist als Churchills Frau und guter Geist zu sehen, auch sie überzeugt. Der Film meißelt Churchill ein Denkmal, Legendenbildung und Fiktion sind mit im Spiel, was Gehalt und Qualität nicht schmälert. Sehenswert.

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