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Das trägt die Berlinale

Die Gäste der Eröffnungsfeier

Vom klassischen weißen Kleid über die Glitzer-Robe bis zu Turnschuhen war bei der Eröffnung der Berlinale am Donnerstag jeder Stil auf dem roten Teppich vertreten. Keine Spur von schwarzer #MeToo-Anteilnahme?

Berlin

16.02.2018
Das trägt die Berlinale

Wenig Trauerfarbe Schwarz, keine Turnschuhe: Die Schauspielerinnen Alina Levshin (l-r), Lavinia Wilson, Katharina Schüttler, Karoline Schuch und Christiane Paul entschieden sich für Farben und Muster auf dem roten Teppich. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Es dürfte bei der Berlinale noch viel um die MeToo-Debatte gehen. Aber erst einmal geht es um den roten Teppich. Die große Frage: Wie zeigt sich die deutsche Prominenz in MeToo-Zeiten abends auf dem roten Teppich?

Bei der Verleihung der Golden Globes in Hollywood waren die Stars wegen der Debatte um Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt in Schwarz gekommen. Eine Online-Petition wollte für die Berlinale einen schwarzen Teppich durchsetzen - das hat nicht geklappt. Der Teppich bleibt rot.

Showtime für Hosen



Bei der Gala am Potsdamer Platz herrscht dann Berliner Freistil. Vielleich etwas mehr Schwarz und Hosen als sonst - die Spanne reicht von der hochgeschlitzten Robe bis zum Turnschuh. Heike Makatsch kommt im roten Hosenanzug, Iris Berben im schwarzen Ensemble mit Bein. Meret Becker zeigt Tattoos. Gesprächswert hat auch der Muff, den Jessica Schwarz vor sich her trägt.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ist nicht absichtlich in Schwarz gekommen, aber extra in Hosen - „weil wir nicht nur über Männer in Bademänteln sprechen sollten, sondern auch über Frauen, die die Hosen anhaben“. Sie erwähnt dann in ihrer Rede auch die legendäre Hosenträgerin Marlene Dietrich.

Grütter zitiert die Aktion „Time’s up!“ - die Zeit sei rum. „Wir rollen deshalb auch für MeToo den roten Teppich aus: für Frauen, die sich zur Wehr setzen gegen Machtmissbrauch hinter den Kulissen und für Männer, die Manns genug sind, für Gleichberechtigung einzustehen.“ Gala-Moderatorin Anke Engelke ruft von der Bühne: „Frauen und Männer zusammen in einem Raum - wir trauen uns was!“

Künstlerinnen sind keine Puppen



Auch Schauspielerin Anna Brüggemann ist da. Sie wirbt mit der Aktion „Nobody’s Doll“ für mehr Vielfalt und gegen die Zwänge des Schönheitsdiktats. „Wir sind Künstlerinnen und keine hübschen Puppen“, heißt es in ihrem Aufruf. Auf dem roten Teppich trägt sie wie angekündigt Turnschuhe - und passend dazu einen „Nobody’s Doll“-Button.

Der Schauspieler Franz Rogowski, der in gleich zwei Wettbewerbsfilmen dabei ist, sagt: „Von Gleichberechtigung sind wir noch sehr weit entfernt. Wir müssen das Machtmonopol der Männer knacken.“

Auch Festivaldirektor Dieter Kosslick setzt ein Zeichen: Sein Schal ist ausnahmsweise nicht rot, sondern schwarz. Die Berlinale wird einige Veranstaltungen zu MeToo im Programm haben. Für Kosslick ist es das vorletzte Mal als Festivalchef. Seine Amtszeit endet 2019. Die Debatte um seine Nachfolge hat heftigen Wirbel ausgelöst. Ob Kosslick sein berühmt-berüchtigter Humor vergangen ist, wird sich zeigen. Es ist aber unwahrscheinlich. (dpa)

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