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Neue Galerie Gladbeck

Das ist Landschaft 4.0

GLADBECK Ist Landschaftsmalerei hoffnungslos altmodisch? Von wegen. Sven Drühl nutzt für seine hochmodernen Bilder sogar Elemente aus Computerspielen.

Das ist Landschaft 4.0

Die Arbeit „S.D.E.T.“ entstand 2017 nach einem Computerspiel. Diesen Berg gibt es in Wirklichkeit nicht – deswegen wirkt er wohl so absolut perfekt. Foto: Neue Galerie gladbeck Foto: Gunter Lepkowski

Kunst darf man das getrost noch nennen. Der Begriff Malerei ist aber nicht mehr ganz richtig. Die Werke von Sven Drühl sprengen die Grenzen herkömmlicher Gemälde. „Painting Engineer“ – zu deutsch Bilder-Ingenieur oder Mal-Maschinist – nennt sich der Künstler, und so heißt auch seine Ausstellung in der Neuen Galerie Gladbeck. Diese kleine Institution, von einem Trägerverein mit viel Herzblut in einem todschicken Ausstellungsraum betrieben, hat damit einen Knüller gelandet.

Ein DJ der Kunstgeschichte

Sven Drühl (49), der in Essen studiert hat und in Berlin lebt, ist promovierter Kunstwissenschaftler. Bei seinen eigenen Werken empfindet er sich als Discjockey, der Elemente der Kunstgeschichte remixt. Drühl nimmt zum Beispiel Motive des Schweizer Landschaftsmalers Samuel Birmann (1793-1847) – eine Geröllhalde, einen Busch –, komponiert daraus eine fernöstlich anmutende Landschaft, umrandet deren Umrisse mit Silikon und überstreicht alles mit einer Mischung aus Ölfarbe und Malbutter. Die pechschwarze Arbeit ist auf zeitgemäße Weise anmutig und transportiert doch jenes romantische Gefühl, aus dem heraus das Vorbild entstand. Faszinierend! Auch eine seiner bekannten Neonarbeiten, 120 Kilo schwer, hat Drühl nach Gladbeck mitgebracht. Die Umrisse eines berühmten japanischen Berges leuchten berückend türkisfarben.

Doch seit vier Jahren geht Drühl ganz neue Wege. „In der Landschaftsmalerei gibt es gefühlt keine Innovation“, sagt er – und hat deshalb die Welt der Computerspiele in den Blick genommen. In den USA gibt es Firmen, die Landschafts-Hintergründe für Spiele entwickeln. Ein Millionengeschäft. „Da sitzen 50 Nerds am Computer und programmieren ein Gebirge“, erzählt Drühl. Genau solche Daten nutzt er für seine Gemälde von Gipfeln, Wasserflächen oder kahlen Ästen vor blauem Himmel, die er in endlosen Stunden aus Lackschichten auf Leinwand aufbaut.

Sieben Tage Klebeband

Die dunklen Flecken der obersten Schicht etwa pinselt er nicht einzeln auf, sondern klebt die fingernagelgroßen Flächen ab und lackiert dann alles. Allein für das Abnehmen des Klebebandes benötigt Drühl bis zu sieben Tage.

Der Effekt: eine Landschaftsmalerei 4.0. Die Bilder erreichen eine Perfektion und Modernität, die jenen künstlichen Welten das Wasser reichen kann, die uns heute überall begegnen. Vielleicht wirken die Lackbilder deshalb so zeitlos, perfekt und traumhaft schön. Die eigenartigen Titel nutzt Drühl übrigens, um die Übersicht zu behalten. „S.D.W.T.“ zum Beispiel besteht aus seinen eigenen Initialen und denen von Wolfgang Tillmanns, dessen Foto er als Vorlage verwendet hat.

Neue Galerie Gladbeck: „Sven Drühl – Painting Engineer“, bis 23.3., Bottroper Straße 17, Mi-So 15-20 Uhr

www.neue-galerie-gladbeck.de

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