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Das Steigerlied erklang als pompöses Oratorium

Day of Song

Mitsingen erwünscht: Auch der „Day of Song“ war Teil der Extraschicht. Beim großen Finale des Festes für Chöre dirigierte Steven Sloane in der Jahrhunderthalle die Bochumer Symphoniker und viele Sänger.

Bochum

von Kai-Uwe Brinkmann

, 01.07.2018
Das Steigerlied erklang als pompöses Oratorium

Beim Abschlusskonzert des vierten „Day of Song“ in der Bochumer Jahrhunderthalle konnte man die Chöre am besten auf den Monitoren sehen. © Brinkmann

Als sich der Beginn verzögert und die Türen zum Saal wieder geschlossen werden, kommt in der Warteschlange ein Grummeln auf. Nach 20 Minuten aber strömen die Leute in die Bochumer Jahrhunderthalle, und was dann folgt, lässt alles Grummeln vergessen.

Gänsehaut-Momente in der Bochumer Jahrhunderthalle

Die Bochumer Symphoniker unter Steven Sloane, verstärkt durch diverse Chöre und Solisten wie Ingeborg Börch und Erika Kamura am Klavier gaben ein Konzert, das in den besten Momenten so erhebend war, dass man kurz vor der Gänsehaut stand.

Es war der triumphale Abschluss des „Day of Song“, der zur Extraschicht an elf Spielorten rund 5000 Sänger aller Stile aufbot, die mittags um exakt dieselbe Zeit das „Steigerlied“ intonierten – als Gruß an die Bergbautradition des Ruhrgebiets. Das Finale in Bochum verfolgten 10.000 Zuhörer, die Generalmusikdirektor Steven Sloane zum Mitsingen animierte: „Singen Sie mit! So kräftig Sie können, meinetwegen auch nur La-La-La. Das ist immer besser, als nur herumzustehen.“

Von Nabucco bis Michael Bublé

Händels „Hallelujah“ oder die Habenera aus „Carmen“ überlassen die Leute wohlweislich den geübten Chören, aber John Lennons „Imagine“ beherrschen sie. Sloane hat ein Programm zwischen Klassik, Pop und Moderne gewählt, roter Faden ist unsere Sehnsucht nach Frieden, Sicherheit, Geborgenheit.

Am Anfang steht der Gefangenenchor aus „Nabucco“. Michael Bublé ist vertreten und die „West Side Story“. Zum Schluss zelebrieren Sloane und Gefährten das „Steigerlied“, arrangiert als pompös dramatisches Oratorium im „Breitwand-Sound“, mit Instrumentalpassagen und Zitaten aus „Also sprach Zarathustra“. Großes Hörkino mit einer guten Portion Schalk.

Applaus für die Chorakademie Dortmund

Draußen wird das Konzert in brillantem Klang und mit Verfolger-Kameras auf Leinwände übertragen, während die Videobilder in der Halle statisch bleiben. Umso mehr regiert dort die Musik.

Satten Applaus gibt es für die „Junge Chorakademie Dortmund“, deren Sänger bei „Immortal Bach“ imponierend lang den Ton halten und das Stück in vollendeter Grazie aushauchen. Bravo.