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Das Elend einer Familie analysiert

Moderner Klassiker von O´Neill bei Ruhrfestspielen

RECKLINGHAUSEN Die Frau hängt an der Spritze, die drei Männer an der Flasche - eine glückliche Familie sieht anders aus. Eugene O´Neills Drama "Eines langen Tages Reise in die Nacht", eine Koproduktion des Hamburger St. Pauli Theaters mit den Ruhrfestspielen, feierte am Montag Premiere in Recklinghausen.

von von Britta Helmbold

, 10.05.2011
Das Elend einer Familie analysiert

Eine Hassliebe verbindet die Tyrone-Brüder -- gespielt von Ben Becker (l.) und David Bennent.

Es ist ein Sommertag im Jahr 1912, aber es ist nebelig-ungemütlich - genauso düster ist auch das Kammerspiel, in dem der amerikanische Dramatiker seine eigene Familiengeschichte verarbeitet hatte und deshalb auch verfügte, das Stück erst nach seinem Tod aufzuführen. Nicht nur Bühne (Raimund Bauer) und Kostüme (Ilse Welter) sind zeithistorisch nachempfunden, sondern auch die Inszenierung ist konventionell. Regisseur Ulrich Waller verzichtet auf eine Aktualisierung und setzt ganz auf seine tollen Schauspieler, die die Figuren der Familie Tyrone mit Leben zu füllen wissen.Überzeugendes Ensemble Da ist Gerd Böckmanns smart auftretender, ob seines Geizes nicht unsympathischer Vater, da ist Angela Schmids nervös-sensible Gattin und da sind die ungleichen Söhne: Ben Becker gibt den realistisch bis zynischen älteren Bruder, der in Papas Fußstapfen getreten ist und sich als Schauspieler durchschlägt; David Bennent hingegen hat sich als poetisch-versponnenes Nesthäkchen in vielen Jobs versucht und ist nun todkrank. In unterschiedlichen Konstellationen treffen sich die Familienmitglieder im Salon und reden eigentlich nur. Doch obwohl die Enthüllungen dieser unglücklichen Menschen heute nicht mehr schockieren, gelingt es dem Ensemble, durch sein eindringliches Spiel zu fesseln.Ewiger Hin und Her Es ist ein ewiges Hin und Her von Verständnis-Haben und Schuldzuweisungen. Während am Morgen noch das Mitgefühl überwiegt, sich alle zärtlich um die morphium-süchtige Mama sorgen, aber sich auch schon die ersten Whiskeys des Tages genehmigen, wird die Atmosphäre mit zunehmenden Rauschzustand der Figuren immer depressiver, zuweilen auch aggressiv. Mit besoffenem Kopf kommt es zu Geständnissen und (zu) späten Einsichten. Am Ende dieses Tages ist das Seelenleben aller Figuren mit ihren Verwundungen und Enttäuschungen offen gelegt - das Beziehungsgeflecht einer Familie, deren glückliche Zeiten längst vorbei sind.Termine: 12.-15.5.; Karten: Tel. (023 61) 9 21 80. www.ruhrfestspiele.de

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