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Chick Corea bleibt Teufelskerl des Modern Jazz

Klavier-Festival Ruhr

Chick Corea ist mit der „Akoustic Band“ zurück. In Essen boten die drei Teufelskerle im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr ein Revival ohne lahme Nostalgie.

Essen

, 09.07.2018
Chick Corea bleibt Teufelskerl des Modern Jazz

Chick Corea (l.) und seine Band begeisterten das Jazz-Publikum in Essen. © Frank Mohn

Mit diesen Musikern hatte Chick Corea einst einen echten Lauf: Sechs Jahre lang surften Drummer Dave Weckl und Bassist John Patitucci gemeinsam mit der Keyboarder-Legende als „Elektric Band“ auf dem Kamm der Fusion-Wellen. Fünf erfolgreiche Jazzrock-Alben entstanden in dieser Zeit. 1989 tauschte die „Elektric Band“ ihr Hightech-Equipment mit klassischen Instrumenten, wurde zur „Akoustic Band“ – und wieder waren die Fans hellauf begeistert.

Philharmonie Essen war gut gefüllt

Doch es sollte bei dieser einen Platte bleiben. 1991 trennten sich die Wege der Musiker für viele Jahre. Nun ist die „Akoustic Band“ wieder vereint – und darauf haben viele Fans durchaus gewartet, wie sich am Sonntag beim Klavierfestival Ruhr in der überaus gut gefüllten Philharmonie Essen zeigte.

Die Grenzen sprengen

Es ist nicht das erste Revival, das Starpianist Chick Corea beim Klavierfestival präsentiert. Auch die 70er-Jahre-Erfolgsformation „Return To Forever“ stellte er 2008 und 2011 so vor. Doch Weckl und Patitucci sind eine Kategorie für sich, typische Vertreter einer Jazzer-Generation des „höher, schneller, weiter“ mit dem Ehrgeiz, die Grenzen des technisch gerade noch Spielbaren zu sprengen. 27 Jahre später hat sich der Sturm und Drang ausgewachsen, die brillanten Ausnahmefähigkeiten sind geblieben

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Ein Wahnsinns-Drummer

Aus dem schon als „Drumcomputer“ geschmähten Weckl ist ein ziemlich cooler, immer noch echter Wahninns-Drummer geworden. Patitucci hat sich auf seine Stärke, melodisch klar und klangschön zu solieren verlegt, greift dazu auch häufiger als andere Jazzbassisten zum Bogen.

Das Repertoire ist eigentlich so geblieben wie es war: Jazzstandards von Duke Ellington wie „In A Sentimental Mood“ oder aus Broadway-Stücken wie „On Green Dolphin Street“, welches das Trio als Reminiszenz an Miles Davis spielt. Treibende Swing- und Latin-Grooves im Wechsel sind eines der Markenzeichen der „Akoustic Band“ geblieben. Doch bei allem Gewohnten steckt viel Frische in diesem Trio, in dem ein 77-jähriger, erstaunlich agil wirkender Chick Corea auf zwei jung gebliebene Endfünfziger trifft. Bravo!