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„Othello“ in Lünen

Bühnen-Profi Martin Semmelrogge kneift nicht

Lünen Selten, dass ein Theater sich vorab für einen Schauspieler entschuldigt: In Lünen spielte Martin Semmelrogge den Jago im „Othello“ der Landesbühne Rheinland-Pfalz.

Bühnen-Profi Martin Semmelrogge kneift nicht

Martin Semmelrogge als Jago in Shakespeares „Othello“. Foto: Mack

Ein ungewöhnlicher Vorgang am Theater: Die Landesbühne Rheinland-Pfalz, die mit Shakespeares „Othello“ auf Tournee ist und am Donnerstag im Lüner Heinz-Hilpert-Theater zu Gast war, distanzierte sich im Vorfeld vom Star der Produktion: Martin Semmelrogge drücke das Niveau der Inszenierung.

Aufführung ohne den Star angeboten

Er habe wenig geprobt und sich bei einer Aufführung chargierend ans Publikum herangeschmissen, heißt es sinngemäß in einer Stellungnahme von Intendant und Regisseur. Häusern, die das Stück buchten, stelle man frei, eine Aufführung ohne Semmelrogge zu wählen. Man überlegt kurz, ob hier nicht Wind gemacht werde, um die Inszenierung ins Gespräch zu bringen? Mit Semmelrogge als Watschenmann? Nein, abwegiger Gedanke.

Schauspieler vertraut auf das Publikum

Diese Vorrede muss sein, damit man versteht, nach welcher Ohrfeige Martin Semmelrogge in Lünen auf die Bühne ging. Öffentlich demontiert zu werden, dürfte auch für altgediente Skandalnudeln kein schönes Gefühl sein. Was tun? Semmelrogge hält es wie ein Profi, der fürs Spielen, nicht fürs Kneifen bezahlt wird: rausgehen und auf das Publikum vertrauen.

Am Ende von Marcel Krohns „Othello“-Inszenierung sparen die Besucher im halbgefüllten Saal nicht am Beifall. Er ist nicht donnernd, nicht rauschend, aber deutlich und anhaltend, mehr als pure Höflichkeit. Womit das Lüner Publikum eine feine Antenne für das Niveau von Regie und Darstellern zeigt.

Semmelrogge spielt ohne Patzer

Den „Othello“ spielt man so leicht nicht kaputt, das Drama gibt Jean-Philippe Adabra (Othello) und Joanna Semmelrogge (ja, die Tochter als Desdemona) die Gelegenheit zu gut gespieltem „Gefühlskino“. Martin Semmelrogge, kostümiert als Security-Mann von heute, spielt den Windhund Jago ohne Patzer, zwei Verhaspler zählen nicht.

Er ist nicht der Typ, der Hochsprache zum Leuchten bringt, bei Semmelrogge hört man eher einen Straßenköter kläffen, was Jago durchaus steht. Verlogen säuseln kann der Mann auch, er hat drei, vier Abgänge, wo er sich meckernd ins Fäustchen lacht. Für dieses keifige Lachen hat man ihn verpflichtet. Schmäh beiseite, in Lünen spielte Semmelrogge ganz passabel. Und basta.

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