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Ausstellung zeigt das Kind in der Kunst

Kunstmuseum Mülheim

Trotzige Rotznasen und eine Selbstmörderin – „Das Kind in der Kunst“ im Kunstmuseum Mülheim zeigt revolutionäre Zeichnungen. Und dass Künstler vor 100 Jahren plötzlich wie Kinder malten.

von Sandra Schaftner

Mülheim

, 21.02.2018
Ausstellung zeigt das Kind in der Kunst

August Mackes innige „Mutter mit Kind“ ist auch in Mülheim zu sehen. Repro: Stiftung Sammlung Ziegler 2018

Das Mädchen blickt den Betrachter aus der Kohlezeichnung heraus scheu an. Es sitzt in einem Korbsessel, versinkt fast in seinem übergroßen karierten Oberteil. Die vorderen Haare fallen ihm ins Gesicht. Die Augen drücken den Widerwillen aus, vom Künstler Otto Pankok als „Kind im Korbsessel“ (1911) porträtiert zu werden. Das Kunstwerk bricht mit den verklärten Porträts des 19. Jahrhunderts.


86 Arbeiten von 23 Künstlern


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann unter Künstlern wie Pankok, Heinrich Zille und August Macke eine neue Ära der Kinderdarstellungen. Diesen Aufbruch zeigt die Ausstellung „Das Kind in der Kunst“ im Kunstmuseum Mülheim in 86 Werken von 23 Künstlern.

Zusätzliche Exponate wie Bücher und Zeitschriften erklären den zeitgeschichtlichen Hintergrund. Darunter ist auch Ellen Keys Schrift „Das Jahrhundert des Kindes“ (1902), in der die schwedische Frauenrechtlerin ein Umdenken in der Kindererziehung forderte.


Vier Themenbereiche geben einen schönen Überblick


Gleichzeitig zu dieser reformpädagogischen Entwicklung wandten sich die Künstler vom steifen bürgerlichen Porträt ab. In einem der vier Themenbereiche der Ausstellung, „Kinderblicke“, hängen neben dem „Kind im Korbsessel“ ein schlafendes Baby und ein mageres Mädchen, das sich in die Zimmerecke eines Ateliers drängt.

Der Raum „Kinder unter sich“ ist voller spielender Jungen und Mädchen – wie Heinrich Zilles „Kinderschar“ (1904). Aber er zeigt auch das Elend der Steppkes, die sich den ganzen Tag auf der Straße aufhielten. Zilles „Zur Mutter Erde“ (1905) bekommt eine neue Bedeutung, wenn der Betrachter die auf dem schmutzigen Boden krabbelnden Kleinkinder entdeckt.


Malen wie der Nachwuchs


Im Bereich „Mit den Augen des Kindes“ hängen scheinbar Kinderzeichnungen an den Wänden. Aber es sind die Werke von Paul Klee, Lyonel Feininger und anderen Künstlern, die diese Art zu zeichnen für sich entdeckt haben. So besteht Feiningers „Signalschiff“ (1920) aus simplen einfarbigen Formen.

Die Passagiere sind Köpfe auf Oberkörpern, ohne Haare und Arme. Anfang des 20. Jahrhunderts habe man sich intensiv mit der Kreativität des Nachwuchses befasst, sagt Michael Kuhlemann, Kurator der Ausstellung. „Manche Museen zeigten damals sogar Zeichnungen von Kindern.“


Doppelter Tabubruch


Die Revolution fand nicht nur am Kind, sondern auch an der Mutter statt, wie der Teil „Mutter und Kind“ zeigt. August Macke malte die „Mutter mit Kind“ (1910) wie Maria mit Jesus. „Der Künstler wollte die Heiligkeit der Mutterschaft darstellen“, so Kuhlemann.

Zille dagegen zeigt die harte Realität des Mutterdaseins im beginnenden 20. Jahrhundert. Seine Werke sind nicht nur ein Tabubruch, sie zeigen auch Tabubrüche. Auf seinem Bild „Ins Wasser“ (1919) eilt eine schwangere Mutter mit zwei Kindern geradewegs auf das Flussufer zu. Der Titel verrät, wo der Spurt enden wird.

Kunstmuseum Mülheim: „Das Kind in der Kunst“, 18.2.-1.7., Synagogenplatz 1, Di-So 11-18 Uhr, Katalog 9,50 Euro.
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