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Amüsantes Spiel um Identität

Ruhrfestspiele: "Zerschossene Träume"

Eine Frau spielt Thilo Sarrazin, ein Mann mimt Lindsay Lohan - und damit ist das Thema des amüsanten Abends umrissen: Um Gender-Indentitäten dreht sich "Zerschossene Träume" von Autor Wolfram Lotz und Regisseur Martin Laberenz. Die Koproduktion der Ruhrfestpiele mit dem Centraltheater Leipzig feierte am Wochenende Uraufführung im Theaterzelt in Recklinghausen.

RECKLINGHAUSEN

von Von Britta Helmbold

, 03.06.2012
Amüsantes Spiel um Identität

<p>Günther Harder (r.) als Lindsay Lohan und Benjamin Lillie. <p></p> Kruse</p>

Umkreist werden die Fragen "Wer bin ich?" und "Bin ich mehr als nur Projektionsfläche?". Das erinnert stark an das Diskurs-Theater von René Pollesch - wie auch Ausstattung und Umsetzung ebenfalls von der Berliner Volksbühnen-Ästhetik inspiriert scheinen. So ziehen sich die Protagonisten immer wieder hinter eine Wand zurück und das Spiel wird per Video-Projektion erlebbar.

Günther Harder, der vor seiner Leipziger Zeit am Theater Dortmund spielte, gibt eine prächtig überdrehte Lindsay Lohan ab, die nun in einem Film über ihr Leben sich selbst darstellen soll. Sie erhält einen Anruf von einem Filmproduzenten - und diese Szene wird immer wieder neu gespielt und diskutiert. Spaßig-humorvoll bis albern, auch mal recht deftig in der Wortwahl, hat das Regisseur Laberenz mit seinem gut aufgelegtem Ensemble in Szene gesetzt. Wer bin ich? Aber Schwierigkeiten mit seiner Identität - frei nach dem Titel des Bestsellers "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" von Richard David Precht - hat auch Schauspieler Benjamin Lillie, soll er doch nicht nur Ham, den ersten Schimpansen der ins Weltall flog, mimen, sondern auch noch seinen Ausbilder Jeffrey Schaefer verkörpern. Philosophisch-poetisch wird´s dann beim Tête-à-tête mit Anna Blomeier, die mit Foucault erläutert: "An den Lippen des Anderen werden die eigenen Lippen spürbar."