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300 Musiker meistern die „Sinfonie der Tausend“

Dortmunder Philharmoniker

Mahlers achte Sinfonie, die „Sinfonie der Tausend“, ist der Mount Everest der Klassik. Die Dortmunder Philharmoniker haben diesen Gipfel eindrucksvoll erklommen. Aber einige Sänger hatten Konditionsprobleme.

Dortmund

, 04.07.2018
300 Musiker meistern die „Sinfonie der Tausend“

Ein imposantes Bild: 120 Musiker saßen bei der „Sinfonie der Tausend“ auf der Bühne des Dortmunder Konzerthauses, auf den Galerien standen rund 170 Sänger.Schürer

Um so ein Gipfelwerk zu meistern und über 90 Minuten spannend zu halten, braucht es nicht nur Kondition und Ekstase, sondern auch Kontraste und ruhige Momente. Dem Dortmunder Generalmusikdirektor Gabriel Feltz gelang am Dienstag im ausverkauften Konzerthaus Dortmund mit einer Dreihundertschaft, darunter 120 Musiker der Dortmunder Philharmoniker, eine packende Interpretation – ein für lange Zeit wohl einmaliges Erlebnis.

Feltz‘ Anlage hatte hymnischen Überschwang, erreichte am Schluss des zweiten Teils Dezibellautstärken von 104 (das ist mehr als bei einem Autorennen oder einem Düsenjäger), hatte aber auch sakrale Tiefe und viele sehr fein und durchsichtig ausgeformte Momente.

Zu den rund 170 Sängern gehörten 42 junge Sänger des Knabenchors der Chorakademie, die – wie die Profis vom Tschechischen Chor Brno und dem Slowakischen Chor Bratislava – auf den Punkt genau vorbereitet waren und sehr präsent und mit großem Einsatz blitzsauber und als Einzige alles auswendig sangen.

Kinder fielen um

Den Kindern merkte man die große Anstrengung, die dieses Opus Magnum fordert, jedoch an: Nach einer Viertelstunde fiel der erste Junge um, fünf Minuten später der zweite. Später verließ ein dritter Knabe den Saal. Vielleicht hätten die Kinder nicht so lange stehen sollen, wenn der Chor nicht singt.

Ein Grund für die Kreislaufprobleme der Jungen war, dass die Klimaanlage wegen der CD-Aufnahme herunter gefahren war und es auf den Galerien viel wärmer war als in der Generalprobe. Im zweiten Konzert am Mittwoch haben die Knaben ihre warmen Nicki-Pullover gegen Polohemden getauscht.

Viele Differenzierungen

Sakrale Tiefe gab Feltz dem ersten Teil, wo er Klangmassen bewegte, ließ den mittelalterlichen Pfingsthymnus „Veni, Creator spiritus“ drängend musizieren und gewaltig klingen – laut, aber nicht mit durchgehend dröhnender Wucht. Und auch den zweiten Teil mit der Schlussszene aus Goethes Faust“ ertränkte Feltz in der Riesenbesetzung nicht in Schönheits-Emphase, sondern sorgte dort noch mehr für Differenzierungen. Und die vielen schönen, organischen Tempo-Übergänge des klug strukturierenden Dirigenten schweißten die episodenhafte Szene zur Einheit zusammen.

Einen wirklichen Stereoeffekt hatte die Aufführung mit den Chören auf den gegenüberliegenden Galerien. Die Blechbläser, die am Schluss von der obersten Galerie hinter dem Parkett bliesen und Sopranistin Ashley Thouret, die als „Mater Gloriosa“ von der zweiten Galerie sang, sorgten für weitere wirkungsvolle Klangeffekte. Der souverän-sichere Bassist Karl-Heinz Lehner, die großartigen Sopranistinnen Emily Newton und Michaela Kaune, Altistin Mihoko Fujimura und Iris Vermillion, die ihre Partie mit weichem, sehr tiefen, leuchtendem Balsam-Alt füllte, waren tolle Solisten. Tenor Brenden Patrick Gunnell und Bariton Markus Eiche hörte man die Strapazen ihrer Partien am Dienstag zuweilen an.

Erinnerungen an Lorin Maazel

Zuletzt ist das Werk zwei Mal in der Region erklungen: 2017 in Gelsenkirchen und 2010 als ein Höhepunkt des Kulturhauptstadtjahrs in einer eindrucksvollen Aufführung in der Kraftzentrale Duisburg mit Lorin Maazel am Pult. Der dirigierte damals 1350 Mitwirkende, zu denen Musiker und Sänger aus ganz NRW gehörten. Die Dortmunder Aufführung war in der Chor- und Orchesterleistung nicht schlechter, und wurde für eine CD mitgeschnitten. Die erscheint 2019 und komplettiert den Mahler-Zyklus von Gabriel Feltz und den Stuttgarter Philharmonikern.