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Bezirksvertreter aus Kirchhellen sagen Nein zur Umbenennung der Loewenfeldstraße

dzLoewenfeldstraße

Die Loewenfeldstraße soll in Alois-Fulneczek-Straße umbenannt werden. Das fordert zumindest Sahin Aydin. In der Sitzung der Bezirksvertreter kam der Bürgervorschlag nicht gut an.

Kirchhellen

, 15.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit 59 Jahren hat die Loewenfeldstraße ihren Namen. In der Sitzung der Bezirksvertreter am Dienstag wurde beschlossen: Das soll vorerst auch so bleiben. Die Diskussion angestoßen hatte ein Bürgerantrag von Sahin Aydin.

Den Grund für die Umbenennung sah der Kirchhellener in der Vorgeschichte des Namenspatens. Wilfried von Loewenfeld war Berufsoffizier in der Kaiserlichen Marine und war 1920 in Dorsten, Bottrop und Kirchhellen im Einsatz. Damals sei er für die Ermordung von insgesamt 257 Menschen und eine Vergewaltigung verantwortlich gewesen. Ihm eine Straße zu widmen, sei nicht gerechtfertigt.

Ehemaliger Bergmann als neuer Namenspate?

Stattdessen schlägt der Kirchhellener den ehemaligen Bergmann Alois Fulneczek als neuen Namenspaten vor. Er war Verhandlungsführer der revolutionären Bergarbeiter in Bottrop und wurde 1919 im Gerichtsgefängnis ermordet. Sahin Aydin erklärte: „Er hat mit seinem Leben dafür bezahlt, dass er sich für die Belange der Bottroper Bergleute eingesetzt hat."

Die Umbenennung einer Straße ist in Nordrhein-Westfalen nicht gesetzlich geregelt und obliegt den Gemeinden. Die Bezirksvertretungen haben in Bottrop die Entscheidungskraft darüber. Im Fall der Loewenfeldstraße war die Vergangenheit des Namenspatens bereits mehrfach ein Thema. 2010 hatten sich die Politiker zuletzt geeinigt, ein Zusatzschild mit der Aufschrift „Zur mahnenden Erinnerung an die Kirchhellener Ereignisse 1920" anzubringen.

Kostspielige Folgen einer Straßenumbenennung

Bei der Beurteilung des Bürgerantrags hatte die Verwaltung insbesondere die Folgen einer Straßenumbenennung angemahnt. Sowohl für die Stadt als auch für die Anwohner würden einige Kosten und Mühen anfallen, heißt es. So müsse man beispielsweise sämtliche Papiere bei Post, Versorgungsunternehmen und ähnlichen Ämtern in der Folge ändern.

Auch der Wiedererkennungswert war ein Kriterium in der Beurteilung der Stadt. Da die letzte Umbenennung schon so viele Jahre zurückliegt, bestehe keine Gefahr, dass der Straßenname mit anderen verwechselt werde, so die Verwaltung. Nach einer Gesamtuntersuchung hatten sie den Bezirksvertretern im Vorfeld von der Umbenennung abgeraten.

Bezirksvertreter lehnen Umbenennung ab

In der Sitzung am Dienstag beugten sich die Kirchhellener Politiker dem Rat der Verwaltung. Willi Stratmann von der SPD erklärte: „Der Kompromiss mit dem Zusatzschild ist gut. Eine Umbenennung zu diesem Zeitpunkt wäre ein Schnellschuss."

Stattdessen regte der SPD-Ratsherr an, über eine Änderung des Namens nachzudenken, wenn sich die Geschehnisse rund um Wilfried von Loewenfeld im kommenden Jahr zum 100. Mal jähren. „Ein verdienter Kirchhellener könnte dann der Namenspate werden", so Stratmann. Der Vorschlag zur Umbenennung in die Alois-Fulneczek-Straße wurde von den Bezirksvertretern einstimmig abgelehnt.