Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Pfarrhaus-Prozess: Geistlicher (56) betrauert den Verlust von Erinnerungsstücken

dzLandgericht Bochum

Mit der Vernehmung weiterer Zeugen ist am Dienstag in Bochum der Prozess um die Serie von Einbrüchen in Pfarrhäuser in Haltern, Castrop-Rauxel, Dortmund und Umgebung fortgesetzt worden.

Bochum/Haltern/Castrop-Rauxel/Dortmund

, 12.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Vor zehn Monaten hatte die „Pfarrhaus-Bande“ in Witten-Stockum zugeschlagen. Der Pfarrer der dortigen St.-Maximilian-Kolbe-Gemeinde war am 5. Mai 2018 erst spät abends von einer goldenen Hochzeitsfeier im Münsterland zurückgekehrt, als ihn nach dem Betreten seiner Wohnung blitzartig ein mulmiges Gefühl beschlichen hatte. „Im Flur lag auf dem Boden eine zusammengeknüllte Tischdecke. Da wusste ich sofort - hier war einer drin“, sagte der Geistliche (56) am Dienstag vor dem Bochumer Landgericht. „Mein Instinkt sagte mir aber, geh‘ da bloß nicht alleine rein, sondern warte auf die Polizei.“

Überall Schubladen aufgerissen

Beim späteren Betreten der Wohnung und des Gemeindebüros entdeckte der Pfarrer ein riesengroßes Durcheinander. „Überall waren Schubladen aufgerissen und Schranktüren geöffnet worden“, so der Zeuge. Die Beute der Einbrecher aus der Privatwohnung des Pfarrers bestand überwiegend aus Erinnerungsstücken.

„Es fehlten fünf Uhren, darunter die, die ich zu meiner Erstkommunion geschenkt bekommen hatte“, so der 56-Jährige. Aber auch der Verlust eines Paars Manschettenknöpfe, vor allem aber der Eheringe seiner verstorbenen Eltern, trafen den Geistlichen hart.

Im nebenan gelegenen Gemeindebüro hatten die Täter damals „ganze Arbeit“ geleistet. Im Hausmeisterbüro war eine Spendendose „Müttergenesungswerk“ aufgebrochen worden. Im Büro hatten die Einbrecher einen Wandtresor mit drei Geldkassetten aus der Schrank-Verankerung gerissen und komplett mitgenommen.

„Der Tresor ist bis heute nicht wiederaufgetaucht“, so der Pfarrer. Der Gesamtschaden beläuft sich inklusive Reparaturkosten geschätzt auf mehr als 10.000 Euro.

Gefragt nach den Folgen für seine Psyche antwortete der 56-Jährige: „Ich kann bei Gott nicht behaupten, dass mich das Ganze wer weiß wie tief belastet hat. Aber trotzdem denke ich jetzt noch jedes Mal beim Nachhausekommen: Hoffentlich ist nichts passiert.“

Zeugentermine im März und April

Den zwei angeklagten Männern und einer Frau werden insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zur Last gelegt.

In Haltern sollen sie am 4. Februar 2018 bei einem Coup im Pfarrhaus von St. Sixtus den dort anwesenden Pater James brutal attackiert, mit Kabeln gefesselt und im Heizungskeller eingesperrt haben. Der Pater soll voraussichtlich am 25. April als Zeuge aussagen.

Auch in Dortmund war am 29. Juli 2018 ein Geistlicher im Pfarrhaus der Kirchengemeinde St. Urbanus an der Marienstraße tätlich angegriffen worden. Laut Staatsanwaltschaft wurde der dortige Pfarrer umklammert und von den Tätern brutal ins Gesicht geschlagen. Die Zeugenvernehmung des Geistlichen ist für 26. März anberaumt.

Zwei Wochen zuvor hatte das Trio laut Staatsanwaltschaft in Castrop-Rauxel im Pfarrhaus der St. Lambertus Gemeinde zugeschlagen und dabei einen kompletten Tresor mit Kirchenbüchern und Schlüsseln aus der Wandverankerung gehebelt. Stand jetzt sind die Zeugenvernehmungen für diesen Fall am 25. März geplant.

Die Gesamtbeute soll insgesamt weit über 100.000 Euro betragen haben.

Im Prozess vor der 7. Strafkammer schweigen alle drei Angeklagten.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Dorstener Zeitung "Pfarrhaus-Bande"

Sensible Dokumente gestohlen: Pfarrer bat den Bischof um seine Abberufung

Im Prozess um die Serie von Einbrüchen in Pfarrhäuser in Haltern, Castrop-Rauxel, Dortmund und Umgebung hat ein erster Pfarrer ausgesagt. Der Geistliche hatte riesige Sorge wegen der Beute. Von Werner von Braunschweig

Lesen Sie jetzt