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Flaesheim-Dorf guckt beim schnellen Internet in die Röhre

dzBreitbandausbau

Mit Hilfe von Fördermitteln werden Halterner Randbereiche mit schnellem Internet versorgt. Weitgehend. Denn die Bürger in Flaesheim-Dorf schauen in die Röhre.

Flaesheim

, 07.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Sie gelten als „weiße Flecken“ - Randbereiche Halterns, in denen das schnelle Internet bis heute noch nicht angekommen ist und auf absehbare Zeit auch nicht ankommen wird, weil kein Anbieter sich dort aufgrund mangelnder Gewinnaussichten betätigen will.

Von Wirtschaftlichkeitslücken ist dann die Rede. Wie bereits berichtet, wird die Telekom jedoch in Haltern die weißen Flecken tilgen. Größtenteils zumindest. Fördermittel des Bundes und des Landes NRW machen es möglich. Auch im Flaesheimer Ortsteil Dorf (im Bereich der Straßen Hohes Ufer und Örter Pütt) war die Hoffnung groß, von dem Programm zu profitieren.

Stattdessen legte die Deutsche Glasfaser ein Angebot vor. Denn aus der Förderung fällt Flaesheim-Dorf heraus - bis auf vier Häuser. Der Unmut und die Verwirrung bei den Einwohnern sind groß.

„Und dann waren wir plötzlich raus“

Etwa 80 Häuser stehen in Flaesheim-Dorf. „Ursprünglich war der Ausbau des Breitbandnetzes durch die Deutsche Glasfaser auch hier für uns angekündigt worden“, erklärt Heike Saranek, Mitglied einer Initiative für den Breitbandausbau in Flaesheim-Dorf. „Und dann waren wir plötzlich raus.“

Die Flaesheimerin fühlt sich und ihren Ortsteil Dorf ungerecht behandelt. „Warum können nun einfach wieder Teile aus dem Ausbauplan herausgenommen werden?“, fragt sie sich. Randgebiete und auch einzelne Häuser in den Gebieten Uphusen, Drügen Pütt, Heimingshof, Overrath, Eppendorf, Mersch sowie kleinere Lagen außerhalb von Lippramsdorf - insgesamt etwa 1240 Haushalte - profitieren dagegen von der Förderung.

Kriterien für eine Förderung nicht erfüllt

Wie Gunther Albrecht von der Wirtschafts- und Standortförderung der Stadt Haltern erklärt, seien die Voraussetzungen für eine Förderfähigkeit in Flaesheim-Dorf nicht gegeben. Denn bereits heute seien in einigen Haushalten Bandbreiten von mindestens 30 Mbit/s vorhanden.

Viel schwerer wiegt aber offenbar das für die Zusage von Fördermitteln erforderliche Markterkundungsverfahren, das der Kreis Recklinghausen 2016 federführend durchgeführt hat. Dazu waren die Telekommunikations- und Netzanbieter hinsichtlich ihrer Netz-Ausbaupläne bis Ende 2019 in Haltern und den einzelnen Ortsteilen befragt worden.

Es ist zu vermuten, dass die Deutsche Telekom und Unitymedia damals entsprechende Ausbau-Pläne für Flaesheim-Dorf ankündigten. „Damit ist die Förderung durch Land und Bund nicht mehr möglich“, informiert Gunther Albrecht. Der Knackpunkt: Die Unternehmen sind nicht verpflichtet, ihre Versprechen einzuhalten. Ob, wann und wie es also tatsächlich zum Ausbau kommt, ist absolut offen. Konkrete Pläne gibt es wohl noch nicht.

Gleichzeitig ist auch eine nachträgliche Förderung nicht möglich. Martin Eckl, Breitbandkoordinator der WiN Emscher-Lippe GmbH, die in Sachen Breitbandausbau im gesamten Kreis beratend tätig ist, macht deutlich: „Für die Förderung des Ortsteils Flaesheim-Dorf wäre rein theoretisch ein neuer Förderantrag nötig.“ Allerdings liege ja eben aufgrund der aktuellen Förderbedingungen (Bandbreiten von unter 30 Mbit/s und mangelnde Ausbauabsichten von Netzanbietern) keine Förderfähigkeit für den Ortsteil vor. „Weder der Kreis Recklinghausen noch die Stadt Haltern am See haben daher die Möglichkeit, neue Förderanträge für den Ortsteil zu stellen“, betont Eckl.

Nur vier Häuser bilden in Flaesheim-Dorf eine Ausnahme. Sie haben weder 30 Mbit/s Bandbreite noch fallen sie in den Planungsbereich von Telekom oder Unitymedia.

98.000 Euro für den Ausbau

Unterdessen hat die Deutsche Glasfaser dem Ortsteil offenbar ein Angebot vorgelegt. „Für 98.000 Euro würde das Unternehmen die Glasfaser auch in Flaesheim-Dorf verlegen“, sagt Heike Saranek. „Das können wir nicht stemmen.“

Die Stadt Haltern hat den Kreis gebeten, den Sachverhalt noch einmal zu prüfen. Auch mit den Netzanbietern sollen erneut Gespräche geführt werden. „Wir sind an Lösungen interessiert“, sagt Gunther Albrecht.

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