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Fake-E-Mail: Sachbearbeiterin hätte Halterner Firma beinahe um 369.000 Euro ärmer gemacht

dzArbeitsgericht Herne

Weil sie auf eine „Fake-E-Mail“ reagiert hat, hat eine Sachbearbeiterin in einem Halterner Unternehmen ihren Job verloren. Doch die Frau will den sofortigen Rauswurf nicht akzeptieren.

Herne/Haltern

, 25.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine Buchhaltungs-Sachbearbeiterin in einem Halterner Unternehmen wehrt sich vor dem Arbeitsgericht Herne gegen ihre fristlose Kündigung. Mitte Januar war die Frau offensichtlich auf eine vermeintlich vom Geschäftsführer an sie geschickte „Fake-E-Mail“ reingefallen. Die Folge: Um ein Haar wäre es zu einer verhängnisvollen Überweisung von fast 370.000 Euro gekommen.

„Völlig korrekt verhalten“

Während die Arbeitgeberseite im Gütetermin vor der 5. Kammer von „krassem Fehlverhalten“ sprach und sich unversöhnlich zeigte, ist die in Ungnade gefallene Sachbearbeiterin von der Kündigung schwer getroffen. „Sie hat sich doch völlig korrekt verhalten“, sagte auch ihr Anwalt Hans Reinhardt (Marl). Sie habe eine Anweisung des Chefs, bei der es keine Anhaltspunkte gegeben habe, dass sie gar nicht von dem wirklichen Chef stamme, pflichtgemäß ausgeführt und sich loyal verhalten.

Letztendlich sei es sogar seine Mandantin selbst gewesen, die die Überweisung von 369.000 Euro praktisch noch in letzter Sekunde gestoppt habe. Da sei eine fristlose Kündigung nach vierzehneinhalb Betriebs-Jahren ohne jede Beanstandung ja wohl bei Weitem nicht die angemessene Reaktion.

„Unglaubliches Fehlverhalten“

Die Arbeitgeberseite sieht das jedoch völlig anders. „Das war einfach ein unfassbares Abweichen von dem, was die Frau sonst getan hat. Sie war immer ganz ganz weit weg von Überweisungen, hat vorher noch nie Überweisungen getätigt“, sagte Dr. Wienhold Schulte, Anwalt des Unternehmens. Insoweit liege hier ein „unglaubliches Fehlverhalten“ vor, dass nur durch Zufall nicht zum Verlust von 369.000 Euro geführt habe. „Fünf Minuten später wären die Überweisung und das Geld weggewesen“, so Anwalt Schulte weiter.

"Machen Sie das jetzt!"

Fest steht: Am 17. Januar 2018 hatte die Klägerin eine E-Mail unter dem Namen des Geschäftsführers erhalten. Darin enthalten: Die Aufforderung, für einen Unternehmenskauf in Spanien schnellstmöglich 369.000 Euro auf ein Konto bei einer spanischen Bank zu transferieren.

Fest steht wohl auch: Absender der E-Mail war gar nicht der Geschäftsführer, sondern ein unbekannter Trickbetrüger. Auf die Nachfrage der Sachbearbeiterin („Aber ich bin doch gar nicht dazu befugt!“) soll die nächste E-Mail so oder so ähnlich gelautet haben: „Machen Sie das jetzt! Das Ganze muss effektiv geregelt werden. Das Geld muss heute noch raus!“

Daraufhin war dann offenbar ein Überweisungsträger ausgefüllt und auch bereits an die Bank weitergeleitet worden.

Keine Einigung im Gütetermin

„Der Trick, auf den die Klägerin reingefallen ist, ist nicht neu“, sagte Arbeitsrichter Ulrich Nierhoff. Ob man als Reaktion darauf aber wirklich gleich zur schärfsten Waffe (fristlose Kündigung) greifen müsse, müsse man nun intensiv prüfen. „Mein Eindruck ist, dass so etwas der Klägerin ganz sicher nie mehr widerfahren wird“, so Richter Nierhoff weiter.

Eine gütliche Einigung - angesprochen wurde eine fristgerechte Trennung plus Abfindung - kam jedoch vorerst nicht zustande. Bis zum Kammertermin am 12. Juni sollen beide Seiten nun noch einmal ihre Standpunkte unterfüttern.

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