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Vorbild Greta: Der Dortmunder Antonio Pittau (16) kämpft für‘s Klima

dzFridays For Future

Die Schüler und Studenten von „Fridays For Future“ für den Klimaschutz demonstrierten am Freitag (15.3.) erneut – mit dabei Antonio Pittau (16), der die Demo in Dortmund mitorganisiert.

Dortmund

, 15.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Freitagmittag (15.3.), circa 13 Uhr. strömender, kalter Dauerregen sorgt für eine graue Atmosphäre: Tausende Gesichter die bei der Demonstration „Fridays For Future“ schauen hoch auf die Treppen vor der Reinoldikirche. Der 16-jährige Schüler Antoni Pittau ist nervös, schnappt sich jedoch das Mikrofon und hält eine energische Rede, heizt die Stimmung an.

Er ist einer von vielen Rednern bei der 9. Ausgabe des Klimastreiks der Schüler in Dortmund. Bevor aber eine Demonstration so erfolgreich verlaufen kann, muss viel geplant werden. Für die Planung schwänzt Pittau aber nicht die Schule, entgegen aller Kritiker, sondern trifft sich mit den Mitorganisatoren von „Fridays For Future“ abends in seiner Freizeit.

Die Vorbereitung für den großen Tag

Auch am Mittwochabend (13.3.) ist das Wetter fies. Das Sturmtief „Franz“ sorgt für unangenehme Stimmung durch starke Regenfälle und Zugausfälle. Jedoch lassen sich rund 20 Mitglieder von Fridays For Future nicht abbringen, sich um 18 Uhr im Begegnungszentrum Bezent in der Münsterstraße zu treffen um den Dortmunder Teil des globalen Klimastreik vorzubereiten.

Die Gruppe ist bunt gemischt: Von 14-jährigen Schülern bis Studenten, die Anfang 20 sind, ist alles dabei. Das Treffen dient dazu, den „Schlachtplan“ für die Demo zu besprechen: Wo soll es langgehen, was für Materialien fehlen noch, wer hält Redebeiträge? Beim Redenschreiben unterstützt ein Orga-Mitglied, das Germanistik studiert, die Schüler. Gemeinsam kümmern sich die Schüler und Studenten um ein neues großes Transparent, das bei der Demo präsentiert werden soll.

Vorbild Greta: Der Dortmunder Antonio Pittau (16) kämpft für‘s Klima

Beim Vortreffen am Mittwoch werden Plakate, Banner und Reden für die Demo vorbereitet. © Robin Albers

Antonio Pittau erklärt, worum es geht

Antonio Pittau ist auch bei dem Vorbereitungstreffen am Mittwochabend dabei. Er engagiert sich schon länger bei Fridays For Future und übernimmt Teile der Organisation des Dortmunder Teils der Bewegung.

Er erklärt, worum es bei der Demo am Freitag geht. Die Schüler und Studenten fordern unter anderem die Verkehrswende. „Die Politik sollte sich dafür einsetzen, dass man sich vom motorisierten Verkehr wegbewegt“, findet Pauline. Ein Beispiel, wie man das angehen könnte, wäre ein Blick nach Österreich, sagt Antonio: „In Wien ist man dabei, komplett auf Elektrobusse umzusteigen“ – so ein Modell könne er sich auch für Dortmund und ganz Deutschland vorstellen. „Wenn man dann noch die Tickets günstiger macht und mehr Bahnen einsetzt, müsste niemand mehr mit dem Auto fahren“, erklärt Antonio.

Keine Gut-Wetter-Demonstranten

Zurück zum Freitag. Um 10 Uhr sammeln sich die ersten Schüler auf dem Dortmunder Friedensplatz. Antonio ist angespannt. „Ich hatte gehofft, dass das Wetter besser wird“, sagt er. Von Nässe und Kälte lassen sich zahlreiche Demonstranten trotzdem nicht abhalten, dabei zu sein.

Eigentlich wollte Antonio seine Rede schon zu Anfang am Friedensplatz halten. Die Zeit reicht aber nicht mehr aus, und so machen sich die Klimastreikenden über den Wall auf den Weg Richtung Reinoldikirche.

Vorbild Greta: Der Dortmunder Antonio Pittau (16) kämpft für‘s Klima

Die Klimastreiker um Antonio Pittau lassen sich nicht von Regen abhalten. © Robin Albers

Obwohl ein Schlachtruf der „Fridays For Future“-Bewegung „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ ist, wirkt die Demonstrantengruppe am Freitag eher verlegen, gar schüchtern. Auf dem Weg zur Reinoldikirche über die Kampstraße änderte sich die Stimmung aber immer mehr: Zuvor wirkte die Gruppe klein und leise, je näher man der Kirche kam, umso „mehr“ und „lauter“ wirkte der Dortmunder Freitag für die Zukunft – nach Angaben der Pressestelle der Dortmunder Polizei waren 2.500 Demonstranten vor Ort. Dass der Klimastreik plötzlich präsenter wirkte, ist auch Antonio zuzuschreiben. Er war ganz vorne dabei und heizte die Stimmung an.

Antonio Pittaus großer Moment

Bei der Reinoldikirche kommt es zu einigen Wortbeiträgen von Schülern. Antonio ist einer von ihnen. Er erklärt nochmal, was gefordert wird, worum es geht. „Vernichtende Waldbrände in den USA“ und „Hurricanes und Überschwemmungen, die die Häuser von hunderttausenden Menschen zerstören“ sind nur ein paar Folgen des Klimawandels, die Antonio erwähnt.

Vorbild Greta: Der Dortmunder Antonio Pittau (16) kämpft für‘s Klima

Antonio Pittau (vorne) hat am Freitag das erste Mal eine Rede gehalten – kam aber schon wie ein Profi rüber. © Robin Albers

Er richtet das Wort aber auch an die deutsche Politik: Er findet, dass es vorbei sei, dass man sich „nur bemühe“. Er fordert die Politik auf zu handeln, Sie sollen beispielsweise das Pariser Klimaabkommen einhalten. „Machen Sie ihre Hausaufgaben, dann machen wir unsere!“, brüllt er in das Mikrofon. Das ist auch ein kleiner Seitenhieb an deutsche Politiker wie NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) oder ihr Parteichef Christian Lindner, die die Schülerdemos kritisierten.

Die Klimastreiker solidarisierten sich an der Reinoldikirche noch mit den Schülern der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG) – dort hatte die Schulleitung eine Teilnahme untersagt. Nicht zuletzt, weil wichtige Klausuren anstanden. Alle anderen Teilnehmer der Demo sollten sich hinhocken, damit die Schüler der GSG gesehen werden konnte. Es gab tosenden Beifall für die knapp 200 Schüler, da sie trotz angedrohter Sanktionen bei der Demo dabei waren.

Antonio hat übrigens mit einem kleinen Trick dafür gesorgt, dass seine Klasse ohne Folgen bei der Demonstration dabei sein konnte. Der Besuch der „Fridays For Future“-Demo läuft als Schulprojekt, später wird die Demonstration im Politikunterricht analysiert.

Vorbild Greta: Der Dortmunder Antonio Pittau (16) kämpft für‘s Klima

Mit Megafon bewaffnet sorgt Antonio Pittau (vorne) für Stimmung an vorderster Front. © Robin Albers

Zurück zum Friedensplatz

Nach zahlreichen Kundgebungen geht es über die Kleppingstraße wieder zum Friedensplatz. Dort gibt es noch einige weitere Kundgebungen, gegen 12.30 ist die Demo vorbei.

Antonio Pittau ist froh, dass der Stress vorbei ist. „Das ist aber erst der Anfang“, sagt er, „Der heutige Tag hat mir gezeigt, was in Dortmund möglich ist.“ Man wolle sich jetzt nicht auf den Erfolg der heutigen Demo ausruhen, erklärt er. Für nächste Woche ist schon die nächste „Fridays For Future“-Demo geplant.

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