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In Hörde hat der Bergbau einen Ehrenplatz – nicht nur im Museum

dzAbschied vom Bergbau

Im Hörder Heimatmuseum ist der Geschichte des Bergbaus im Dortmunder Süden ein eigene Raum gewidmet. Und auch an anderer Stelle in Hörde tauchen immer mal wieder Bergbau-Relikte auf.

Hörde

, 08.11.2018 / Lesedauer: 4 min

Bei der Hörder Burg denkt man zunächst an Stahl. Schließlich war das alte Gemäuer lange Zeit Verwaltungssitz des Stahlkonzerns Phoenix und Nachbar des gleichnamigen Stahlwerks. Doch im Hörder Heimatmuseum, beherbergt in der Vorburg der Hörder Burg, wird auch dem Bergbau ein ehrendes Andenken bewahrt. Mit dem Umzug des Museums in neue Räume vor drei Jahren wurde ein eigenes Bergbauzimmer eingerichtet, das den Bergbau im Dortmunder Süden dokumentiert.

Hörde und Umgebung spielten dabei eine große Rolle. Schließlich ist der erste Kohleabbau im gesamten Ruhrgebiet für 1296 im benachbarten Schüren dokumentiert. „In Hörde selbst soll schon Ende des 15. Jahrhunderts am Clarenberg Kohle abgebaut worden sein“, erklärt Heimatforscher Willi Garth. 1851 wurde die Zeche Clarenberg stillgelegt.

Den Süden prägten viele Kleinzechen

Im Dortmunder Süden wurde in früheren Jahrhunderten in zahlreichen Klein- und Kleinstzechen Kohle abgebaut. „Allein in Hörde gab es 1755 rund 50 Kleinzechen. Wegen des steigenden Kohlebedarfs bekamen die Bergleute in Hörde Privilegien. Sie wurden vom Wehrdienst, Wachdienst an den Stadttoren, Reparaturdiensten an Wassergräben und so weiter befreit“, berichtet Garth.

Dass Hermann Dietrich Piepenstock 1841 an der Hörder Burg ein Eisenwerk gründete, ist nicht zuletzt dem Bergbau zu verdanken. Denn er setzte auf die Nähe zu Kohle und Erzvorkommen. „Auf den meisten Zechen im Dortmunder Süden wurde nicht nur Kohle, sondern auch Eisenstein abgebaut“, erklärt Gunter Kleinhaus. Der gelernte Bergmann, der als Steiger einige Jahre auf der Zeche Kaiserstuhl gearbeitet hat, hat gemeinsam mit Ludwig Köthe die kleine Bergbau-Ausstellung im Hörder Heimatmuseum zusammengetragen und sich ausgiebig mit der Bergbaugeschichte im Dortmunder Süden beschäftigt.

Das Hörder Kohlewerk lag im Dortmunder Osten

Es gibt sogar einen direkten Bezug von der Hörder Burg zum Bergbau. Um sich den wertvollen Rohstoff zu sichern, betrieben die Nachfolger Piepenstocks selbst Bergbau. Das Unternehmen nannte sich Hörder Bergwerks- und Hüttenverein und betrieb eigene Zechen. „Die Angestellten wurden so zu ‚Bergbeamten‘ mit zusätzlichen Vergünstigungen“, berichtet Willi Garth. Das Hörder Kohlenwerk lag allerdings nicht in Hörde, sondern mit den Zechen Schleswig und Holstein in Asseln und Wickede.

Rund um Hörde lagen gleich mehrere Grubenfelder. In Tiefbauzeiten waren es sieben Zechen mit neun Schächten. Felicitas und Crone waren später mit der Zeche Glückaufsegen verbunden, deren Grubenfeld bis Brünninghausen reichte. 1926 wurde hier der Betrieb eingestellt. In Wellinghofen förderte von 1911 bis 1925 die Zeche Admiral, nahe der Hermannstraße in Hörde zwischen 1849 und 1904 die Zeche Bickefeld.

In Hörde hat der Bergbau einen Ehrenplatz – nicht nur im Museum

Noch bis in die 1950er-Jahre gab es Überreste der Zeche Bickefeld in Hörde. © Archiv Tilo Cramm

Immer mal wieder stieß man so in und rund um Hörde in der jüngeren Vergangenheit auf Relikte des Bergbaus – etwa beim Bau der Stadtbahnstrecke, die den alten Clarenberg-Erbstollen kreuzte. Beim Anlegen des Phoenix-Sees und der Hänge für die neuen Wohngebiete mussten viele Hohlräume aus alten Bergbau-Tagen verfüllt werden – was viel Geld und Zeit kostete. Das gesamte Areal wurde mit mehreren tausend Probebohrungen systematisch untersucht. Ein paar Kohlebrocken, die 2008 aus alten Flözen geborgen wurden, sind ebenfalls im Bergbauzimmer des Heimatmuseums zu sehen.

In Hörde hat der Bergbau einen Ehrenplatz – nicht nur im Museum

Mit Bohrungen ging man beim Bau des Phoenix-Sees alten Bergbau-Stollen im Untergrund auf den Grund. Zahlreiche Hohlräume mussten verfüllt werden. Das Bild entstand im November 2008. © Menne

Die von Gunter Kleinhaus und Ludwig Köthe aufgebaut Bergbau-Sammlung dort geht aber weit über Hörde hinaus. Mit Erläuterungen zur Entstehungszeit der Kohle im Zeitalter des Karbon und Erläuterungen zum Aufbau eines Bergwerks werden auch Grundlagen vermittelt. „Wir wollen für Laien verständlich zeigen, wie der Bergbau funktioniert hat“, erklärt Ludwig Köthe.

In Hörde hat der Bergbau einen Ehrenplatz – nicht nur im Museum

Ludwig Köthe und Gunter Kleinhans haben die Bergbau-Ausstellung im Hörder Heimatmuseum aufgebaut. © Menne

Das Prunkstück der Sammlung ist eine aus Kohle geschnitzte Statue der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Sie stammt aus Oberschlesien, einer Region, aus der viele Bergleute ins Ruhrgebiet kamen. Köthe bekam das Kunstwerk von einer Hörderin, die die zugewanderten Bergleute betreute. Überhaupt basiert die Bergbau-Sammlungen auf zahlreichen Schenkungen, etwa von der Witwe eines früheren Bergwerksdirektors. „Viele Stücke kommen aber auch von den Mitgliedern unseres Heimatvereins“, erläutert Kleinhaus. Er und Ludwig Köthe sind zudem auf Montan-Flohmärkten unterwegs, um neue Stücke zu ergattern.

So kamen jede Menge Bergbau-Souvenirs, alte Bergmanns-Uniformen, Kopfbedeckungen oder auch eine Original-Signalglocke zusammen. Weitere Gaben sind immer willkommen, auch wenn das Zimmer schon gut gefüllt ist. Zur Not wird im Heimatmuseum halt Platz geschaffen für neue Schätze.

Das Heimatmuseum des Hörder Heimatvereins im Westflügel der Hörder Burg, Burgstraße 18, ist an jedem ersten Donnerstag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt zum Museum ist frei.
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