Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Unfall an der Händelstraße: Todesfahrer akzeptiert Strafe doch noch

dzLandgericht

Eine Frau wird vor einem Supermarkt angefahren, stürzt und wird gleich zweimal überrollt. Jetzt hat der Todesfahrer seine Verurteilung doch noch akzeptiert.

Dorsten/Essen

, 25.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Es müssen unfassbar schreckliche Szenen gewesen sein. Die umstehenden Menschen schrien, trotzdem hielt der 77-jährige Autofahrer einfach nicht an.

Es war der 15. Februar 2018, als der Dorstener über den Firmenparkplatz des Rewe-Marktes an der Händelstraße fuhr. Er war langsam. Trotzdem ist es passiert.

Opfer zweimal überrollt

Die Frau, die vor ihm mit ihrem Einkaufswagen über einen Zebrastreifen ging, hat er nicht gesehen. Sie war schon fast auf der anderen Seite, als er sie anfuhr. Dann nahm das Drama seinen Lauf. Die 57-Jährige stürzte, wurde zweimal überrollt. Erst mit dem Vorderrad, dann mit dem Hinterrad. Sie hatte keine Chance. Fast alle Knochen ihres Körpers waren gebrochen – Rippen, Arme, Beine.

Das Amtsgericht Dorsten hatte den 77-Jährigen im vergangenen August in einem ersten Prozess wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Doch das wollte der Rentner so nicht akzeptieren. Er meinte, dass eine Geldstrafe ausreichend sei. Deshalb musste sich nun auch das Landgericht Essen mit dem Fall befassen.

„Ich habe wahrscheinlich nach rechts geguckt, weil da der nächste freie Parkplatz war“, sagte der 77-Jährige den Richtern. „Erst als ich drüberfuhr, habe ich etwas gemerkt. Aber ich hätte nie gedacht, dass das ein Mensch ist.“

„Menschenleben kann man nicht aufwiegen“

Die Berufungsrichter am Essener Landgericht sahen jedoch keine rechtliche Möglichkeit, die vom Amtsgericht verhängte Strafe abzumildern. „Ein Menschenleben kann man ohnehin nicht mit einer Strafe aufwiegen“, so Richter Andreas Labentz. „Aber eine Geldstrafe – das kann man einfach nicht machen. Allein schon wegen der grausamen Folgen dieser Unachtsamkeit.“

Nach Beratung mit seinem Verteidiger Michael Schwankl gab der 77-Jährige am Ende dann auch doch noch nach. Er akzeptierte die erstinstanzlich verhängte Bewährungsstrafe und nahm seine Berufung zurück. Seinen Führerschein hatte er damals schon direkt nach dem Unfall zurückgegeben. Freiwillig. Die Frau, die der Angeklagte damals überfahren hat, war gerade 57, Mutter und Großmutter. Richter Labentz: „Auch wenn der Prozess jetzt zu Ende ist: Für die Familie wird dieser Fall wohl nie abgeschlossen sein."

Lesen Sie jetzt